Freitag, 7. Oktober 2011

Worum geht es eigentlich bei dem Protest?


In den letzten Tagen habe ich extrem viel über die Protestbewegungen geschrieben und verlinkt.
Vielleicht an der Zeit nochmal einen Schritt zurück zu gehen. Denn viele fragen sich noch immer:

Worum geht es eigentlich bei dem Protest? Was sind die Forderungen? Und wenn der Protest tatsächlich so groß anschwellen sollte, wie manche das erwarten, warum gibt es darüber so wenig Informationen in den traditionellen Medien?

Die spanische Gruppierung »Democracia Real Ya« (Echte Demokratie Jetzt), die mit ihrer Mobilisierung zum 15. Mai die gegenwärtige spanische Demokratiebewegung ausgelöst hat, ruft nun zu einer weltweiten Großdemonstration am 15. Oktober auf. Dabei soll überall auf dem Planeten gegen Regierungssysteme protestiert werden, »in denen die Bürger als Waren benutzt« werden, wie fünf Sprecher der Kampagne auf einer Pressekonferenz in Madrid ankündigten.

Es gehe um einen ständigen Kampf gegen den Kapitalismus, der Menschen zu Waren gemacht habe.




Und die Vernetzung ist wirklich rasant fortgeschritten. Aber alles findet in einer Gegenöffentlichkeit statt, die von den traditionellen Medien nur ganz am Rande wahrgenommen wird. Erfreuliche Ausnahmen gibt es; exemplarisch möchte ich die taz erwähnen. Diese Aufmerksamkeit wird sich noch erheblich erhöhen, davon bin ich überzeugt.

Die Gegenöffentlichkeit - das sind in erster Linie Blogs, Live-Streams und Verlinkungen über die traditionellen sozialen Medien wie Facebook - aber auch der Dienst "Twitter" bietet speziell über die Funktion, Nachrichten auch auf Mobiltelefone senden zu lassen, ganz neue Möglichkeiten für eine andere Bürgerbeiteiligung. Eine Vernetzung und Mobilisierung innerhalb kürzester Zeit ist so möglich geworden.

Ich wage zu behaupten, dass weder die Parkschützer bei Stuttgart 21 oder die Demokratiebewegungen im arabischen Raum oder irgendeine andere Protestbewegung wie "Occupy Wall Street" ohne Nutzung der Gegenöffentlichkeit möglich gewesen wären bzw. eine solche Resonanz hätte erzeugen können.

Ein ganz wesentlicher Beitrag kam zudem von Stephane Hessel. Ein 93-jähriger, der sich für Zukunftsthemen engagiert! Mit seiner Protestschrift "Empört Euch" hat er den Nerv einer ganzen Generation getroffen. Ich kann nur jedem empfehlen, diese wenigen Seiten zu lesen und sich von der Aktualität seiner Forderungen zu überzeugen. Respekt, Herr Hessel!

Ich bin sehr gespannt, wie groß der tatsächliche Wille eines jeden Einzelnen sein wird, um sich an der friedlichen Besetzung öffentlicher Plätze weltweit zu beteiligen. Es ist nur noch eine Woche bis zum 15. Oktober und es wird Zeit, sich zu überlegen wie und wo man sich selbst beteiligen kann.

Im Moment geht es schließlich um nichts weiter, um erst mal seinen kapitalen Unwillen mit der bestehenden Verteilung der Macht, zum Ausdruck zu bringen.

Es gibt aktuell dermaßen so dermaßen dringliche Probleme anzugehen, dass es gar nicht möglich ist, sich auf einige wenige Forderungen zu beschränken.
Selbstverständlich richtet sich ein großer Teil des Protests gegen die Bankenrettung auf Kosten von massiven EInsparungen in den Sozialsystemen. Auch Themen wie Umweltschutz, Armut, Generationengerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit stehen ganz oben.

Ein Slogan bewirbt den Protest mit "we are the 99%". Auch wenn ich auch einen breiten Protest sehe, so geht mir das viel zu weit. Ich kenne viele Menschen, die sich von einem solchen Protest nichts versprechen. Und ich denke auch, dass diese Zuspitzung vielleicht der Protestbewegung nützt, in dem es mehr Menschen mobilisiert, mittelfristig halt ich diesen Slogan für wenig zielführend.

Schließlich kann es kaum darum gehen, ein weiteres Gut vs Böse-Klische zu zementieren. Es gibt nicht die 1% Bösen, das ist viel zu kurz gedacht. Sicher ist es auch für mich Hauptmotivation für den Protest, die Veränderung der Vermögensverhältnisse auf diesem Planeten zu änden.
Doch damit wird es nicht getan sein. Denn es geht letztlich um die Gier in jedem von uns. Wenn wir wirklich, erreichen wollen, dass es mehr Gerechtigkeit auf dem Planteten gibt, dann muss sich ein jeder auch mit seinen Egoismen auseinandersetzen. Nur dann werden die Ressourcen für alle reichen.


Nun gilt es erst mal Foren zu schaffen, um über solche Themen überhaupt ins Gespräch zu kommen.
Denn eines scheint klar - genau dieser persönliche Austausch über all die drängenden Probleme, wird gerade erst wieder entdeckt in den so anonymen Gesellschaften des Westens. Eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung. Ein Treppenwitz fasst, das ausgerechnet das anonyme Internet diese Enwticklung katalyisiert.

Ganz gleich, was der 15. Oktober bringen wird, so ist es in jedem Fall ein Anfang zu einer neuen Form der Bürgerbeteiligung an der Politik. Ein lange vermisstes Signal. Und eines, das viel Hoffnung macht!

Die Proteste weiten sich in den USA immer mehr aus und die Vorzeichen mehren sich, dass auch die Empörung der europäischen Bürger am 15. Oktober deutlich sichtbar werden wird.

Doch ganz gleich, was der 15. Oktober bringen wird, so ist es in jedem Fall ein Anfang zu einer neuen Form der Bürgerbeteiligung an der Politik. Ein lange vermisstes Signal. Und eines, das viel Hoffnung macht!

Wir stehen ohne Zweifel vor einem spannenden Herbst!





Weiterführende Links:



3sat-Kulturzeit: Interview mit Alexis Passadakis (ATTAC)


Ocuppy Wall Street


taz: Occupy Wall Street Proteste

Donnerstag, 6. Oktober 2011

WISO: Die Bank gewinnt immer

Einmal mehr der Verweis auf den Satireblog "Lupe". Diesmal satirefrei. Hier findet sich ein ausgesprochen interessanter Wiso-Beitrag, der zwischenzeitlich auf youtube "auf Regierungsanfrage" gesperrt wurde.

Ich vermute hier keine Verschwörung, denkwürdig ist der Vorgang allemal. Respekt auch an das WISO-Team für diesen Beitrag!!! Genau gegen dieses Finanzgebaren richtet sich der Widerstand!

Lupe: Das in Deutschland zensierte Video

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Geschenke, Abendessen, Flugreisen: Wie die Pharmaindustrie Ärzte korrumpiert. Ein Gespräch

Der in Hennigsdorf praktizierende Facharzt für Innere Medizin, Thomas Lindner, ist Mitglied beim pharmakritischen Netzwerk Mezis. Mit dem 62-Jährigen sprach Sebastian Meyer.

MAZ: Sie wenden sich gegen die Manipulation von Ärzten durch die Pharmaindustrie. Wie wird genau beeinflusst?

Thomas Lindner: Zunächst werden die Ärzte teilweise mehrfach täglich von verschiedenen Vertretern der Industrie besucht, die den Auftrag haben, ihre Produkte auf den Markt zu bringen. Das sind meist sehr sympathische, junge Menschen, wohlriechend und mit kleinem Koffer dabei. Die zeigen den Ärzten dann Hochglanzbroschüren, in denen steht, wie toll ihr Medikament wirkt.

Was ist daran so schlecht?

Lindner: Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein hochpreisiges Küchengerät kaufen. Da gehen Sie ja auch nicht zu Miele und erkundigen sich, ob Miele-Produkte die besten sind, sondern Sie würden bei einer unabhängigen Stelle wie der Stiftung Warentest nachsehen. Viel wichtiger wäre es, dass auch Ärzte sich grundsätzlich unabhängig informieren und sich das Verordnen von Medikamenten nicht von der Industrie aufs Rezept diktieren lassen.

Was unternimmt die Pharmaindustrie noch?

Lindner: Es gab von der Industrie gesponserte Computerprogramme, bei denen – ähnlich wie bei einer Google-Suche – bestimmte Medikamente weiter oben auftauchen. Oder eher harmlose Dinge, wie Berater, die Kugelschreiber mit Aufschriften oder Büromaterialien mitbringen. Das geht dann aber auch so weit, dass man zum Essen eingeladen wird oder zu Weihnachten mal eine gute Flasche Wein bekommt. Dann gibt es auch dreistere Dinge, wobei man sagen muss, dass das in den letzten Jahren weniger geworden ist. Mir wurden schon Flugreisen inklusive Hotel zu Kongressen angeboten. Da hätte ich dann ein Wochenende in München verbringen können. Und weil ich ja zeitlich so „arg belastet war“, galt die kostenfreie Einladung auch gleich für meine Frau.

Was gab es noch für Sie?

Lindner: Einmal hat mir eine junge Dame Blumen mitgebracht. Da habe ich als älterer Mann erst mal gedacht, dass ich bevorzugt behandelt werde und die Frau mich sympathisch findet. Später habe ich dann in einem Lehrbuch für Pharmaberater gelesen, dass man Ärzten, die keine Geschenke entgegennehmen wollen, einfach mal Blumen schenken soll. Und schon ist die Basis für ein gutes Verkaufsgespräch geschaffen.

Sie sagen, dass Ärzte durch die Annahme solcher Geschenke korrumpiert werden. Woran machen Sie das fest?

Lindner: Es ist unwahrscheinlich, dass die großen Pharmakonzerne Geld für Werbemaßnahmen ausgeben, die nichts bringen. Es ist nachgewiesen, dass Ärzte, die von der Pharmaindustrie beeinflusst werden, anders verordnen als Ärzte, die sich weniger beeinflussen lassen. Das heißt, sie nehmen häufiger neue, unerprobte Medikamente, die für Patienten immer ein gewisses Risiko darstellen. Und sie verschreiben hochpreisiger.

Haben Sie ein Beispiel?

Lindner: Es gibt ein neues Mittel gegen Bluthochdruck, Rasilez. Es ist nicht nachgewiesen, dass es besser ist als bewährte Medikamente, dafür aber sechs- bis siebenmal so teuer. Viele Ärzte verschreiben es trotzdem. Warum machen sie das? Ich denke, da haben sie wohl Besuch von einem Pharmaberater bekommen.

Das heißt, die Kosten des Gesundheitssystems werden dadurch aufgeblasen.

Lindner: Ja. Es heißt immer, wir werden älter und benötigen mehr Medizin, und das treibe die Kosten an. Dass aber durch unangemessene medikamentöse Therapien die Kosten ebenso unnötig in die Höhe getrieben werden, darüber redet man seltener.

Woran kann ein Patient feststellen, ob sein Arzt unabhängig ist?

Lindner: Das ist sehr heikel. Als Patient sucht man ja im Arzt eine Vertrauensperson. Deswegen ist es umso kritikwürdiger, wenn er besondere wirtschaftliche Interessen in diese Beziehung mit hineinbringt. Man erkennt es aber am Wartezimmer, an den Kalendern, Broschüren oder den zahlreichen Pharma-Kugelschreibern des Praxispersonals. Das sieht so ein bisschen aus wie in der Formel 1, wo einem alles entgegenblinkt. Und man kann eine Beeinflussung vermuten, wenn ein Arzt Medikamente aus seinem Schrank holt – als kleine Gratis- Probepackung.

Er fixt den Patienten also an?

Lindner: Ja, so würde man das in der Suchtbehandlung sagen. Und wenn die Probepackung leer ist, dann muss sich der Patient das meist teure Medikament in der großen Packung aus der Apotheke holen – und das hat dann seine Krankenkasse zu bezahlen.

Was sagen die Kollegen eigentlich zu Mezis?

Lindner: Es gibt ganz schön Gegenwind. Ein Kollege hat mich gefragt, ob ich zu blöde wäre, nicht selber zu entscheiden, was auf mein Rezept kommt. Er könne das.

Lässt sich ein Großteil der Ärzte also korrumpieren?

Lindner: Ja, man sollte das in vielen Fällen so nennen. Stellen Sie sich vor, Sie stellen einen Bauantrag, bei dem nicht sicher ist, ob er genehmigt wird. Am Abend vor der Entscheidung laden Sie die gesamte Behörde zum Essen ein – natürlich, ohne über ihr Bauvorhaben zu reden. Am nächsten Tag wird positiv über den Antrag entschieden. Angenommen, das würde publik: Was würde die Bevölkerung wohl sagen? Ich glaube, vom gesunden Menschenverstand ordnet man das richtig ein. Nur wir Ärzte nehmen mit vollen Händen die Wohltaten der Industrie an und behaupten hinterher, es war nichts gewesen.

Was hat sich für Sie geändert, seitdem Sie bei Mezis sind?

Lindner: Ich habe mehr Zeit für meine Patienten und muss selber für meine Fortbildungen zahlen.

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Quelle: Märkische Allgemeine vom 12.08.2011
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12149434/61129/Geschenke-Abendessen-Flugreisen-Wie-die-Pharmaindustrie-Aerzte-korrumpiert.html

Mezis - Initiative unbestechlicher Ärzte und Ärztinnen
http://www.mezis.de/

Was ist die Bewegung?

Eine gute Zusammenfassung über den Aktionstag am 15. Oktober und seine Ursprünge.

Gibt es eine Bewegung? Stehen wir vor einem Paradigmenwechsel?

Diesen Fragen wird kopmpetent nachgegangen:

the babyshambler: 15. Oktober – Call for Action - Oder: Was ist „die Bewegung“?

Protest in den USA wächst und wächst

Ausführlicer Artikel über die Bewegung "Occupy Wall Street". Sehenswertes Kurzvideo!

SF: «Besetzt die Wall Street»: US-Proteststrom schwillt weiter an

Dienstag, 4. Oktober 2011

Finanzkrise mit Alkoholikern erklärt


Brilliante und amüsante Erklärung der Finazkrise. Dank, dem Satireblog Lupe, durch den ich auf das Video aufmerksam geworden bin. Ein ausgesprochen empfehlenswerter Blog. Zu finden auch im Blogroll rechts.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Evolution und Revolution

Homepage 15. Oktober
Es bahnen sich grundlegende Veränderungen an. Der Protest in den USA wird breiter und kann nicht mehr von den Medien ignoriert werden. Auch die willkürlichen Festnahmen durch die Polizei wird daran nichts ändern.

Auch wenn ich das soziale Gefälle nicht auf 1% Banker und den Rest der Menschheit reduziere, sondern glaube dass Gier uns alle innewohnt, so gefällt mir dennoch die Beschreibung des Protests durch Michael Moore und vor allem auch die deutlichen Worte in der Überleitung! Respekt vor diesen mutigen und wahren Worte:


Die verschiedenen Initiativen vernetzen sich global. Anonymus hat seine Beteilgung für die Proteste angekündigt. Immer mehr Demonstrationen werden für den 15. Oktober angemeldet. Noch ist schwer   abzuschätzen, wie gross die Beteiligung am Protest letztlich wird. Doch es liegt letztlich an der Einsatzbereitschaft und dem Durchhaltevermögen jedes Einzelnen!
 
Ein guter Artikel für die globalen Ereignisse findet sich hier:

Evolution und Revolution

Interessant auch, was der Soziologe Jean Ziegler im Nachtmagazin im Interview zu sagen hat:     

Jean Ziegler im Interview

Abschließend noch ein weiterführender Artikel:

sein.de: Zwischen den Welten: die Unzufriedenheit waechst

Was passiert gibt Hoffnung. Immer mehr Menschen glauben wieder daran, dass ein Wandel wirklich möglich ist. Das ist die beste Nachricht seit langem!

Global Change Now!

Samstag, 1. Oktober 2011

Stuttgart 21




Projektgegner versammelten sich am Schlossplatz und zogen im Anschluss in den Schlossgarten - im Gedenken an die schrecklichen Ereignisse vor genau einem Jahr, als die Landesregierung mithilfe der Polizei, versucht hatte, den Protest nieder zu knüppeln und zu kriminalisieren.

Eine kurze Rückblende:

In die Schusslinie war zu allererst eine angemeldete Schülerdemonstration geraten. Einige stellten sich den anrückenden Polizeihundertschaften in den Weg, die begonnen hatten, Bäume einzuzäunen, die später gefällt werden sollten. Darauf reagierte die Polizei unverhältnismäßig aggressiv.
Im Verlauf kam es zu massiven Einsatz von Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstock. So stellten sich auch immer mehr Demonstranten dem völlig entgleisten Polizeieinsatz in den Weg. Die Parkschützer - eine Organisation, die sich dem Erhalt des Parkabschnitts bedingungslos verschrieben hat - mobilisierten ihren Widerstand. Und auch viele einfache Bürger - aufgeschreckt von den unfassbaren Ereignissen.
Inzwischen gab es viele Verletzte, das Bild des Mannes, der sein Augenlicht fast vollständig einbüßte gingen damals ja durch die Medien.
Noch heute sind viele Menschen traumatisiert von der Gewalt, die sie am 30.09. 2010 erlebt haben. 
Der Einsatz und die Ausrüstung der Hundertschaften der Polizei waren völlig unverhältnismäßig. Es ging schließlich um den Bürgerprotest im Stadtpark und nicht um den Angriff hunderter vermummter und bewaffneter Anarchos...
Selbst wenn dies auf einer Fehleinschätzung der Lage basieren sollte - ich fürchte viel mehr es ging um einen bewussten Versuch einer Kriminalisierung und Spaltung des Widerstands - so verstehe ich eines nicht:

Wie um alles in der Welt konnte man diesen Einsatz bis zum nächsten Morgen so durchziehen, inklusive Fällung der Bäume, während der Park noch stark gefüllt war von fassungslosen Bürgern?
Hätte man nicht spätestens als die Meldungen von den verletzten Jugendlichen kam, einhalten müssen?
Um sich zu entschuldigen und erst mal aufzuarbeiten, was da schief gelaufen ist!

Nun - die Entschuldigung ist ausgeblieben und es gab auch keine juristische Konsequenzen für die völlig enthemmten Polizisten (ich möchte hier nicht unzulässig verallgemeinern - es ging um einige Polizisten) und die Entscheidungsträger dieses Einsatzes. Sehr wohl gab es Urteile gegen etliche Demonstranen - wegen Landfriedensbruch, Widerstand gegen die Staatsgewalt und anderen Delikten. Auch Hausdurchsuchungen bei  Parkschützern und Cams21 (die Videos von den Geschehnissen aufzeichnen und per Livestream zugänglich machen) haben stattgefunden.
Reine Einschüchterung! Umso erfreulicher, dass der Widerstand lebt.
Joe Bauer (Stuttgarter Nachrichten) hat in seiner Rede auf die Zusammenhänge hingewiesen. Es geht darum, dass die Bürger sich für ihre Stadt engagieren, zeigen dass die Stadt allen Bürgern gehört. Viele sind nicht gewillt zuzusehen, wie sich die Städte in Büro-, Banken- und Geschäftsmeilen verwandeln, in denen allenfalls für die Platz bleibt, die es sich noch leisten können. Hier auch die Parallelen zu den hier öfter auftauchenden Protesten im Schanzenviertel und St. Pauli in Hamburg. Es geht um die entscheidende Frage:

Wem gehört die Stadt?

Und um nichts anderes ging es auch beim Protest in Spanien: öffentliche Plätze zurück zu erobern und sie zu verwandeln in ein Forum, in dem diskutiert wird, wie eine lebenswerte Zukunft aussehen kann. Erfreulich, dass sich immer mehr Menschen für eine direkte Demokratie einsetzen und sich dem Diktat der Wirtschaft und des bisweilen unsinnigen Fortschritts entgegensetzen. Es geht um Lebensqualität!
In diesem Sinne bin ich gespannt, was in nächster Zeit in aller Welt passiert. Die Zeichen mehren sich, dass ein Wandel schon begonnen hat. Das macht optimistisch. Es braucht jeden Einzelnen!

In diesem Sinne: oben bleiben!

Links:

Parkschützer e.V.

Cams 21

bei Abriss Aufstand

Alternativmodell K21

Themenseite Spiegel online

Die brutale Räumung des Schlossgartens am 30.09. 2010 - Zusammenschnitt

Donnerstag, 29. September 2011

amerikanische Jugendliche proben die Revolution

Es tut sich etwas...

neben der Aktion "occupy Wallstreet" tut sich etwas. Es mag noch ein kleines Pflänzchen sein, aber es kann zu etwas wirklich großem auszuwachsen. Jeder ist selbst gefragt!

sein.de: Occupy Wallstreet: amerikanische Jugendliche proben die Revolution

nochmal der direkte Hinweis auf die Initiative "Echte Demokratie jetzt" und den Aufruf zur Besetzung öffentlicher Plätze am 15. Oktober:

echte Demokratie jetzt

unbedingt empfohlen auch der Artikel auf den ganz unten verwiesen wird!!!

oder direkt:

Der große Wandel

Ich bin gespannt!

Sonntag, 25. September 2011

SZ: Sozialstaat in der Krise - das Geld reicht für Alle

Ein brillianter Artikel aus der Süddeutschen:

Sozialstaat in der Krise - das Geld reicht fuer Alle

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Ich möchte noch verweisen auf die mutige Pionierarbeit von Susanne Wiest, die vor einigen Jahren bereits eine Petition zur Einführung des Grundeinkommens im Deutschen Bundestag eingereicht hat, der aktuell überprüft wird:

Grundeinkommen und neues Geld

Aktienhändler riskieren mehr als Psychopathen

Warum verzocken Aktienhändler bisweilen Milliarden? Was läuft da schief in den Banken und den jungen "Profis"?
Eine Studie der Universität St. Gallen kommt zu dem Egebnis, dass sich die Aktienhändler sich noch rücksichtsloser und manipulativer gebaren als Psychopathen...

Der Spiegel: Aktienändler riskieren mehr als Psychopathen

Seit über einer Woche gibtes in New York lautstarken Protest gegen das Gebaren an den Finanzmärkten.
Wer sich informieren will sei auf den folgenden Blog verwiesen, der auch einen Livestream vom Protest nahe der Wall Street berichtet:

Alles Schall und Rauch: Besetzung des Liberty-Parks nahe der Wall Street

Für den 15. Oktober ruft die spanische Demokratiebewegung "Democracia Real Ya!"(echte Demokratie jetzt!) zu einem weltweiten und friedlichen Protest nach Vorbild der Besetzung öffentlicher Räume wie in Madrid auf. Es liegt an allen zu zeigen, mit welchen Entwicklungen wir nicht einverstanden sind.
Eine Übersetzung des Orginalaufrufs findet sich beispielsweise hier:

Aufruf zu internationalen gewaltlosenprotesten am 15 Oktober 2011

Wer sich zusätzlich über den deutschen Ableger der Initative informieren will, kann sich über Facebook mit Neuigkeiten versorgen lassen:

Echte Demokratie jetzt

Mittwoch, 21. September 2011

Griechenland: Spekulation auf eigenen Staatsbankrott

Der Postillon: Immer wieder einen Besuch wert! Das nenne ich wahre Satire. So tritt die Absurdität der Finanzmärkte deutlich zutage...

Der Postillon: Spekulation auf eigenen Staatsbankrott

Tacheles im Bundestag

Auch wenn ich nach wie vor kein Wähler der Linken bin - leider gibt es in ihren Reihen noch immer zu viele Betonköpfe, doch sie ist zunehmend die einzige Partei, die noch ausspricht, worum es bei der "Krise" geht; nämlich um einen kapialen Systemfehler und zum Himmel schreiendes Unrecht!

Gregor Gysi im Budestag

Protest lohnt sich!

Vielschichtiger und spannend gestalteter ZDF-Dokumentarfilm über den Protest in Hamburg gegen den Ausverkauf über Generationen entstandener Stadtviertel und den Kampf gegen den Verlust von Heimat.
Dabei kommen alle Seiten zu Wort, sofern sie bereit waren sich Fragen zu stelllen.

Die Stadt muss in meinen Augen auch in Zukunft allen Schichten zugänglich sein. Der Bau von Bürogebäuden hat längst jegliche Sinnhaftigkeit verloren. Wieviele Bürpflächen stehen doch heute schon leer?!?

Schön zu sehen, wie erfolgreich der Protest verschiedener Bürgerinitiativen ist. Ein Beitrag, der Mut macht!

Ulrich protestiert für ein Recht auf Stadt

Mittwoch, 24. August 2011

Montag, 22. August 2011

Der Aufstand der Jungen hat erst begonnen

Der bislang beste Artikel, den ich zum Thema Jugendproteste gelesen habe. Sehr unaufgeregt und klar auf den Punkt gebracht.

Die Zeit - Der Aufstand der Jungen hat erst begonnen

Aktuell versucht sich eine Protestbewegung auf dem Alexanderplatz in Berlin zu formieren. Noch ist das alles sehr bescheiden, aber das kann sich ja schnell ändern.

Wer sich informieren möchte:

Acampada Berlin

unter anderem eine Initiative von "Echte Demokratie jetzt". Zu finden auf FB unter:

Echte Demokratie jetzt



Sonntag, 21. August 2011

Heiliger Zorn der Jugend

Ein weiterer Beitrag aus der SZ über die Jugendproteste.

SZ: Heiliger Zorn der Jugend

Sie müssen endlich ein Echo finden, es muss endlich breitere Diskussionen geben, welche Perspektiven diese Gesellschaften für junge Menschen anbieten kann. Ein gesellschaftlicher Umbau ist dringend notwendig. Anstatt ein marodes System mit immer weniger Profiteuren fortwährend mit dem Geld aller zu stützen, wird es Zeit über ganz neue Gesellschaftsverträge nachzudenken. Die Ignoranz von so vielen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft ist unerträglich und erbärmlich und nur völliger Verblendung und eigener Gier zuzuschreiben. Wenn das nicht aufhört wird es knallen.

Noch ein paar Anmerkungen zu den Protesten und der Randale in GB, wo das gerade passiert ist:

Es wird oftmals behauptet, dass hierbei nicht um einen politischen Protest handelt. Dem möchte ich deutlich widersprechen. Zwar ist es richtig, dass eine solche Eskalation einer Veränderung nicht dienlich ist, sondern Cameron geradezu in die Hände spielt. Leider auch, dass die Jugendlichen oftmals vor allem Menschen aus ihrer eigenen Gemeinschaft geschadet haben (vornehmlich auch deswegen weil sie an die Gesellschaftsschichten, an die sie eigentlich herankommen wollten, niemals herangekommen wären. Dort wurde hermetisch abgeriegelt). Und mit Sicherheit gab es Menschen, die es besser wissen müßten, die die Jugendlichen instrumentalisiert haben. Von Trittbrettfahrern mal ganz zu schweigen.
Aber: Wer konnte von Jugendlichen, die dermaßen ausgegrenzt werden, die nur eine unzureichende Bildung genossen haben und überhaupt keine Perspektive für sich sehen einen konstruktiven Protest erwarten? Das difuse Gefühl von Ausgrenzung, Unterdrückung und das gefühl verachtet zu werden, eint sie. Wie könnte man von ihnen erwarten, dass sie Plakate vor sich hertragen mit konkreten Verbesserungsvorschlägen oder gar Utopien? Sie sind von der Gesellschaft aufgegeben worden, nun werden die Sozialausgaben gekürzt und ein guter Teil der Jugendclubs musste dichtmachen. Wie konnte man etwas anderes erwarten?
Und so ist der Protest, der in seiner Form sicher keineswegs zu rechtfertigen ist aber doch zu verstehen, sehr wohl politisch; auf jeden Fall ist er Antwort auf strukturelle Gewalt und eine Politik, die viel zu vielen Menschen und in erster Linie Jugendlichen zuwenig Chancen entwickelt.

Nun tut Cameron alles, um die Radikalität der nächsten Proteste zu erhähen. Weitere Kürzungen, Difamierung der Jugendlichen als "krank", als Gruppe, die es man "ausrotten" muss. Es geht gerade so weiter.
Findet nicht endlich ein Umdenken in der westlichen Welt statt, werden wir solch gewaltsamen Proteste bald auch in anderen Ländern Europas und in den USA sehen...
Das wäre zu bedauern, denn es dient keinem. Aber ohne Veränderungen halte ich das für unabwendbar.


Samstag, 20. August 2011

Slavoj Žižek: Die Krise als Schocktherapie

Aus der Kulturzeit von 3sat: Der ungewöhnliche slowenische Philosoph Slavoj Žižek mit geballter Kritik am kapitalistischen System. Eine spannende Persönlichkeit mit klarem Blick auf die Schieflage der Welt.

Kulturzeit: Die Krise als Schocktherapie