In den letzten Tagen habe ich extrem viel über die Protestbewegungen geschrieben und verlinkt.
Vielleicht an der Zeit nochmal einen Schritt zurück zu gehen. Denn viele fragen sich noch immer:
Worum geht es eigentlich bei dem Protest? Was sind die Forderungen? Und wenn der Protest tatsächlich so groß anschwellen sollte, wie manche das erwarten, warum gibt es darüber so wenig Informationen in den traditionellen Medien?
Die spanische Gruppierung »Democracia Real Ya« (Echte Demokratie Jetzt), die mit ihrer Mobilisierung zum 15. Mai die gegenwärtige spanische Demokratiebewegung ausgelöst hat, ruft nun zu einer weltweiten Großdemonstration am 15. Oktober auf. Dabei soll überall auf dem Planeten gegen Regierungssysteme protestiert werden, »in denen die Bürger als Waren benutzt« werden, wie fünf Sprecher der Kampagne auf einer Pressekonferenz in Madrid ankündigten.
Es gehe um einen ständigen Kampf gegen den Kapitalismus, der Menschen zu Waren gemacht habe.
Und die Vernetzung ist wirklich rasant fortgeschritten. Aber alles findet in einer Gegenöffentlichkeit statt, die von den traditionellen Medien nur ganz am Rande wahrgenommen wird. Erfreuliche Ausnahmen gibt es; exemplarisch möchte ich die taz erwähnen. Diese Aufmerksamkeit wird sich noch erheblich erhöhen, davon bin ich überzeugt.
Die Gegenöffentlichkeit - das sind in erster Linie Blogs, Live-Streams und Verlinkungen über die traditionellen sozialen Medien wie Facebook - aber auch der Dienst "Twitter" bietet speziell über die Funktion, Nachrichten auch auf Mobiltelefone senden zu lassen, ganz neue Möglichkeiten für eine andere Bürgerbeiteiligung. Eine Vernetzung und Mobilisierung innerhalb kürzester Zeit ist so möglich geworden.
Ich wage zu behaupten, dass weder die Parkschützer bei Stuttgart 21 oder die Demokratiebewegungen im arabischen Raum oder irgendeine andere Protestbewegung wie "Occupy Wall Street" ohne Nutzung der Gegenöffentlichkeit möglich gewesen wären bzw. eine solche Resonanz hätte erzeugen können.
Ein ganz wesentlicher Beitrag kam zudem von Stephane Hessel. Ein 93-jähriger, der sich für Zukunftsthemen engagiert! Mit seiner Protestschrift "Empört Euch" hat er den Nerv einer ganzen Generation getroffen. Ich kann nur jedem empfehlen, diese wenigen Seiten zu lesen und sich von der Aktualität seiner Forderungen zu überzeugen. Respekt, Herr Hessel!
Ich bin sehr gespannt, wie groß der tatsächliche Wille eines jeden Einzelnen sein wird, um sich an der friedlichen Besetzung öffentlicher Plätze weltweit zu beteiligen. Es ist nur noch eine Woche bis zum 15. Oktober und es wird Zeit, sich zu überlegen wie und wo man sich selbst beteiligen kann.
Im Moment geht es schließlich um nichts weiter, um erst mal seinen kapitalen Unwillen mit der bestehenden Verteilung der Macht, zum Ausdruck zu bringen.
Es gibt aktuell dermaßen so dermaßen dringliche Probleme anzugehen, dass es gar nicht möglich ist, sich auf einige wenige Forderungen zu beschränken.
Selbstverständlich richtet sich ein großer Teil des Protests gegen die Bankenrettung auf Kosten von massiven EInsparungen in den Sozialsystemen. Auch Themen wie Umweltschutz, Armut, Generationengerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit stehen ganz oben.
Ein Slogan bewirbt den Protest mit "we are the 99%". Auch wenn ich auch einen breiten Protest sehe, so geht mir das viel zu weit. Ich kenne viele Menschen, die sich von einem solchen Protest nichts versprechen. Und ich denke auch, dass diese Zuspitzung vielleicht der Protestbewegung nützt, in dem es mehr Menschen mobilisiert, mittelfristig halt ich diesen Slogan für wenig zielführend.
Schließlich kann es kaum darum gehen, ein weiteres Gut vs Böse-Klische zu zementieren. Es gibt nicht die 1% Bösen, das ist viel zu kurz gedacht. Sicher ist es auch für mich Hauptmotivation für den Protest, die Veränderung der Vermögensverhältnisse auf diesem Planeten zu änden.
Doch damit wird es nicht getan sein. Denn es geht letztlich um die Gier in jedem von uns. Wenn wir wirklich, erreichen wollen, dass es mehr Gerechtigkeit auf dem Planteten gibt, dann muss sich ein jeder auch mit seinen Egoismen auseinandersetzen. Nur dann werden die Ressourcen für alle reichen.
Nun gilt es erst mal Foren zu schaffen, um über solche Themen überhaupt ins Gespräch zu kommen.
Denn eines scheint klar - genau dieser persönliche Austausch über all die drängenden Probleme, wird gerade erst wieder entdeckt in den so anonymen Gesellschaften des Westens. Eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung. Ein Treppenwitz fasst, das ausgerechnet das anonyme Internet diese Enwticklung katalyisiert.
Ganz gleich, was der 15. Oktober bringen wird, so ist es in jedem Fall ein Anfang zu einer neuen Form der Bürgerbeteiligung an der Politik. Ein lange vermisstes Signal. Und eines, das viel Hoffnung macht!
Die Proteste weiten sich in den USA immer mehr aus und die Vorzeichen mehren sich, dass auch die Empörung der europäischen Bürger am 15. Oktober deutlich sichtbar werden wird.
Doch ganz gleich, was der 15. Oktober bringen wird, so ist es in jedem Fall ein Anfang zu einer neuen Form der Bürgerbeteiligung an der Politik. Ein lange vermisstes Signal. Und eines, das viel Hoffnung macht!
Wir stehen ohne Zweifel vor einem spannenden Herbst!
Weiterführende Links:
3sat-Kulturzeit: Interview mit Alexis Passadakis (ATTAC)
Ocuppy Wall Street
taz: Occupy Wall Street Proteste

