Dienstag, 24. Mai 2011

Ein Leben im Konsumüberfluss

„Die Dinge, auf die es im Leben wirklich ankommt, kann man nicht kaufen.“
William Faulkner (1897-1962), amerik. Romanschriftsteller, Essayist u. Lyriker

Früher einmal war es normal, dass man werktags bis 18 Uhr und an einem Sonnabend bis 13 Uhr einkaufen konnte. Damals gab es kein Massensterben aufgrund Lebensmittelknappheit. Umso mehr verwundert, wie sehr sich die Öffnungszeiten verlängert haben. Mindestmaß ist inzwischen eine Öffnungszeit von 8-20 Uhr an sechs Tagen die Woche. Der allgemeine Konsument will deswegen aber auch nicht mehr einkaufen. Ist ja nicht so, dass er plötzlich mehr Geld hätte. Sondern er muss oft mehr kaufen, weil heute oft nicht mehr die qualitativen Güter angeboten werden, die es früher einmal gab. So muss der Kunde ständig „nach kaufen“ Meine Eltern hatten einen Fernseher der seinen Dienst 20 Jahre tat, ohne ein einziges Mal in Reparatur zu sein. Heute können wir froh sein wenn ein Elektrogerät die Garantie übersteht. Meist sind unsere Konsumgüter heute so konzeptioniert, das sie diese Zeit, mehr oder minder gut „überstehen“.

Außerdem wird durch tägliche Werbung, die uns im Alltag überall begegnet (egal wo wir hinschauen), dem Kunde durch geschickte psychologische Kniffe suggeriert, dass er zu Hause einen nicht mehr brauchbaren Gegenstand hat und unbedingt einen neuen braucht. Sozialer Druck besorgt den Rest. Natürlich gibt es Werbung schon seit es Waren zu kaufen gibt. Diese ist jedoch deutlich aggressiver geworden. So schön es ein mehr oder weniger nacktes Modell aussehen mag. Aber es ist eben auch wahr, dass bestimmt 99 % der Gesellschaft nicht so aussehen. Selbst die ach so hübschen Modells, werden hübscher gemacht als sie wirklich sind. So sieht man meistens Plakate, bei denen nur die Schokoladenseiten der Menschen zu sehen sind. Zauberei ist das nicht. Ein jedes Plakat muss man sich wie ein großes Puzzle vorstellen, da kann die hübsche Frau auf dem Bild, plötzlich Männerbeine bekommen, weil diese muskulöser sind.

Heute ist auch normal, dass durch klare Vorgaben der Geschäftsführung zu erklären ist, warum man auch vor Geschäftsschluss noch volle Regale erspäht. Diese Vorratshaltung soll der Kundenzufriedenheit dienen. Zu jeder Zeit ist möglichst jedes Produkt zu haben. Besonders pervers ist so was bei verderblichen Waren z. B. beim Bäcker. Und was dann nicht verkauft wird landet meistens auf dem Müll. Dieses Entsorgen von Lebensmitteln zahlen wir beim Kauf des Brotes mit. Wenn man bedenkt wie viel eine Backwarenfachverkäuferin an Stundenlohn bekommt, macht dies einen messbaren Teil des Preises aus. Dieses Übermaß gibt es jedoch nicht nur beim Bäcker. Vor kurzem habe ich beobachtet, wie eine nicht kleine Verkäuferin (schätze sie auf 1,70 Meter) auf die Kühltheke stehen musste, damit sie die oberste Reihe im Regal, mit Ware bestücken kann. Als ich sie darauf anspreche, meinte sie nur, dass sie das auch schon der Geschäftsleitung angesprochen habe, aber zu keinem Ergebnis führte. Der Kunde wünsche heute Auswahl.

Ein bekanntes amerikanisches Kaffeeunternehmen hat diesen Trend schon lange erkannt. Der Kunde von heute will in seinem Kaffee nicht nur Milch und Zucker. Nein, nein. Wir brauchen einen Cappuccino für den Sommer (Frappucino) oder ein Caramel Macchiato. Wer versucht dort einfach einen Kaffee zu bestellen, wird sehr verdutzte Mitkäufer und Verkäufer erleben, die einen ansehen, als hätte man das Prinzip nicht verstanden. Denn man kann jedes Getränk auch iced bekommen, mit verschiedenen Siruparten (Vanille, Caramel, Minze, Irish Cream...), mit oder ohne Schlagobers, mit fettarmer Milch, mit Sojamilch, extraheiß usw.

Heute hat ein jeder Verkäufer auch eine Zeitvorgabe, in der Umsatz in die Kasse fließen muss Sonst ist er schneller weg, als er kucken kann. So beobachte ich beim Einkauf in einem bestimmten Supermarkt immer öfter, dass die Verkäufer, nicht einmal mehr Zeit haben, den Kassenzettel abzureisen. Dieser wird an eine Stelle ausgespuckt, an dem sich der Kunde, ihn bitte selbst nehmen soll. Ein anderer großer Lebensmittelsupermarkt macht es auch sehr geschickt, in dem er dem Kunden erzählt, er tue was für unsere Umwelt und gibt den Bon nur auf Verlangen raus. Mit Sicherheit, wird Papier eingespart. Vordergründig ist jedoch viel eher, dass der Kunde, eher ablehnt den Bon einzufordern und so ein Arbeitsschritt der Kassiererin eingespart wird. Außerdem fällt dem Kunde weniger schnell auf wenn ein Produkt sich plötzlich verteuert hat.

Dieser Artikel hat längst nicht alle Facetten des Konsumwahns beleuchtet. Es sollte nur ein kleiner Einblick sein und ermutigen zum Beobachten und Hinterfragen, wo hin sich alles bewegt, was wir mit diesem Lebensstil hinterlassen und ob wir mit diesen Entwicklungen glücklich sind. Schließlich haben wir einen erheblichen Einfluss, gerade auf den Konsum.


Und zum Abschluss kommt noch der gute alte Samy zu Wort:

Kommentare:

  1. Interessanter Blog, bei der Erwähnten Supermarkt-Kette die nur noch auf Wunsch den Kassenzettel ausgibt ist mir auch aufgefallen das nach der Kasse die Abstellfläche (wo die Produkte nach dem Scannen von dem Kassierer oder Kassiererin abgelegt werden) doch sehr kurz geraten ist. Das sollte den Kunden wohl dazu animieren die Ware schleunigst einzupacken und den Laden schnellstmöglich zu verlassen, damit die Horde die noch an der Kasse ansteht nicht zu ungeduldig wird. Überraschenderweise sind die meisten Supermärkte was das Kassenpersonal angeht eher unterbesetzt.

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  2. Moin, danke für dein Kommentar!

    Ja, die Abstellfläche für bereits "abgescannte" Ware, ist wirklich sehr gering gehalten. Um so schlimmer macht es das ganze jedoch, wenn du deine Sachen in Ruhe einpacken willst und dann wird die Ware vom nächsten Kunden entgegen genommen. Bei einem bestimmten Discounter, scheinen die Verkäufer auch schon zu wissen, wie der Kunde bezahlen wird. So wird dir beim Zahlen, das Wechselgeld schon entgegen gestreckt. Habe dort schon absichtlich, dann doch wieder anders bezahlt. Bringt (wenigstens kurz) Verwirrung. Die Besetzung hat personelle Probleme. Wie kann man am einfachsten Sparen / mehr Gewinn machen ? Richtig. Spare an deinem Personal. Zunächst sind möglichst wenig zu einem Dienst gleichzeitig da. Auffallend ist auch, das bei einem bestimmten Supermarkt, meist die Regale von Azubis oder einer Zeitarbeitsfirma bestückt werden. An der Kasse und im übrigen Geschäft sind (fast) nur noch Aushilfen. Bei diesem Supermarkt, von dem ich spreche. arbeitet jeder zehnte der 140 000 Beschäftigten auf 325-Euro-Basis (Quelle: "Handelsblatt"). Freue mich schon auf weitere Beobachtungen und denkt dran, euch nicht alles gefallen zu lassen. Grüße

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