Montag, 31. Oktober 2011

Besuch im Camp vor der EZB in Frankfurt



Hier also der Bericht vom Besuch im „Protestcamp“ vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt…

Mittags ging es von Stuttgart aus los. Ich befand mich in der äußerst angenehmen Gesellschaft von Robert und Putte von Flügel-TV. Während die beiden mithilfe ihres selbstgebastelten Übertragungswagen Livebilder und Interviews einfangen wollten, war meine persönliche Motivation, einmal wirklich den „Geist“ der Protestbewegung zu atmen, nachdem ich bereits seit geraumer Zeit den „Occupys“-Gedanken lebe. Gleichzeitig wollte ich lernen und möglichst viele Impulse aus Frankfurt mitnehmen.

Bereits die Hinfahrt war ein absolutes Highlight, bot Gelegenheit einander kennen zu lernen und die Jetztzeit aus unterschiedlichen Perspektiven unter die Lupe zu nehmen und sich intensiv auszutauschen. Eine sehr schöne Einstimmung.

In Frankfurt angekommen war ich erst mal überrascht, wie zentral das Camp in Frankfurt liegt. Mitten im Innenstadtkiez. Wir fragten einen Fußgänger nach dem Weg. Dieser versicherte uns, kein Deutsch zu sprechen doch auf die direkte Frage von Putte: „Where ist he revolution?“ antwortete er ohne einen Sekundenbruchteil zu zögern: „Left!“; Wo auch sonst…

Schließlich erreichten wir unser Ziel; eine Zeltstadt, umzingelt von riesigen Bankengebäuden, wie ein gallisches Dorf. Während die Demonstration mittags wieder zwischen 1500-3000 Menschen (je nach Quelle...) Demonstrationen angezogen hatte, waren hier schätzungsweise 250 Menschen versammelt, die gerade einem „Poetry Slam“ lauschten. Insgesamt sinken die Zahlen bei den Demonstrationen der „Occupy Frankfurt“-Bewegung doch gleichzeitig wächst die Beteiligung auf dem Platz vor der EZB. So wurde uns zumindest glaubhaft beschieden. Und darum geht es ja schließlich. 

Um eine reale Vernetzung, um Diskussionen und um eine schritthafte Entwicklung hin zu einem Konsens über konkrete Forderungen der Teilnehmer. Ein echtes Demokratieprojekt, das noch in den Kinderschuhen steckt, was jedoch allen Beteiligten klar ist. Und es handelt sich um ein ehrgeiziges Projekt, schließlich ist der Teilnehmerkreis ausgesprochen bunt und vielschichtig und es ist richtig, sich Zeit zu nehmen und nicht mit Schnellschüssen das vorhandene Potential zu zerstören. So gerne das mancher Entscheidungsträger aus Politik und Finanzwirtschaft wünschen würde. Doch auch in anderen Camps rund um den Global wird noch gerungen um konsensfähige Positionen und eine Vernetzung unter den Camps findet gerade statt.

Es gibt Versuche verschiedenster Interessengruppen, die Bewegung zu unterwandern oder zu vereinnahmen, von ganz linken bis hin zu ganz rechten Tendenzen. Das zeigt deutlich die Relevanz der Thematik der Protestbewegung auf. Und so vorsichtig man sein muss, um fragwürdigen Akteuren ein Plenum zu bieten, so braucht es im Moment jeden, der sich in die Diskussion einbringt, solange er für sich spricht und keine Werbung für eine andere Sache macht.

Doch jetzt erst mal hin zu den Emotionen im Protestcamp. Deutlich merklich war von Anfang an, dass es sich um einen Platz handelt, der unweit entfernt ist von sozialen Brennpunkten Frankfurts. Gleichzeitig liegt er so zentral, dass viele Bürger durch das Protestcamp bewegen; manch einer bleibt stehen, hört ein wenig zu, andere können offensichtlich wenig mit den Protesten anfangen und wieder andere bleiben.

Eine unheimliche Symbolkraft geht von den Zelten aus. Das Zelt der Essensausgabe, die durch Spenden Frankfurter Bürger und Institutionen ermöglicht wird befindet sich direkt vor dem riesigen illuminierten Eurozeichen. Und so oft man aufgrund der heimeligen Athmosphäre vergisst, wo man sich eigentlich befindet – ein Blick nach ganz weit oben hin zu den "Palästen des Kommerz" erinnert einen unwillkürlich daran, wie richtig dieser Platz für den Protest ist und wie dringend die Problematik der noch immer ungebremsten Finanzmärkten tatsächlich ist. 
Ein spannungsgeladener Kontrast.

Eine Person wird mir nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Ein Tellerwäscher, der uns mit leuchtenden Augen verrät, dass er bereits seit den frühen Morgenstunden wie ein Weltmeister spült. Freimütig erzählt er, warum er hier ist und was für eine neue Erfahrung er gerade macht. Er berichtet seit 15 Jahren auf der Straße zu leben und als Kind im Heim aufgewachsen zu sein. Dass er schon seit Ewigkeiten ein Einzelgänger ist, was auch nötig ist, um auf der Straße zu bestehen.
Und nun steht er hier seit 4 Tagen und erlebt vielleicht erstmalig in seinem Leben, was eine Gemeinschaft sein kann und wie wertvoll gelebte Solidarität ist. Nun wird er gebraucht. Und er hat sich entschieden, Teil von etwas zu werden, das der Beginn einer neuen Solidarität sein kann, die wir so dringend brauchen, um die Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden.

Man bekommt Gänsehaut, wenn man seinen leisen und nichtsdestotrotz kraftvollen Worten lauscht.
Er weiß, was es bedeutet, missachtet und ausgestoßen zu werden, doch hier steht er und bringt sich ein und zeigt, dass er gewillt ist seinen Beitrag zu leisten, ohne etwas zu erwarten. Er hat Hoffnung und das ist unglaublich wertvoll. Vielen herzlichen Dank!!!

Leider wurden wir an diesem Tag nicht Zeuge einer Assmblea – einer Versammlung angelehnt an die spanische Demokratiebewegung – doch das wird definitiv nachgeholt – mir gefällt die Parallele zur griechischen Agora – einem Forum von Bürgern, asu dem die Demokratie in Griechenland einst entstanden ist.

Die Impressionen waren vielfältig – genau wie die Anewsenden. Natürlich kommen auch Junkies und Anarchos – viele von ihnen fühlen sich schon lange heimatlos und die bestehende Politik von Zins und Zineseszins und auf der anderen Seite Verschuldung mit ebenfalls horrenden Zinsen wird noch zu einer Verschärfung des sozialen Gefälles auch hier in Deutschland führen. Daher sollte man sich hüten, davon zu sprechen diese Menschen würden der Bewegung schaden. Sie sind ein Teil und haben jede Berechtigung sich zu zeigen, so sehr mancher sie gerne weiter ignorieren würde.

Doch genauso findet man gutbürgerliche Besucher und stellenweise auch Banker.
Genauso vielfältig war das Programm. Vom Poetry Slam über harte Rockmusik und soulige Klänge bis hin zur tanzbaren Elektromusik gab es ein vielfältiges Bühnenprogramm.

Definitiv möchte ich diese Eindrücke vertiefen und bin auch segr gespannt auf die Interviews im Zusammenschnitt von Flügel-TV. Ich werde darauf verlinken, sobald dieser Beitrag bereit steht.

Herzlichen Dank an all die Menschen in Frankfurt, die stellvertretend für sehr viele andere dort die Stellung halten und dieses Demokratieprojekt wagen.

Außerdem möchte ich wärmstens diesen ZDF-Beitrag empfehlen:


Bilder finden sich im Beitrag von gestern etwas weiter unten...

Solidarische Grüße und auf sehr bald!!!

Hartz IV: Ohne Lohn bei Amazon?











Spart sich das Unternehmen Amazon durch die Einrichtung einer Praktikumszeit Lohnkostenzahlungen auf Kosten des Steuerzahlers? Hartz IV Bezieher müssen zwei Wochen ohne Lohn arbeiten.

Den Artikel bei "gegenhartz4" lesen:
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-ohne-lohn-bei-amazon-1618811.php

Sonntag, 30. Oktober 2011

Occupy Frankfurt


Gestern war der Scheinwerfer gemeinsam mit Flügel-TV zu einem Solidaritätsbesuch in Frankfurt. Danke an Putte und Robert an dieser Stelle. Es war super spannend und wir wohl nicht der letzte Besuch dort gewesen sein. Es gab die ganze Bandbreite von Emotionen zu bestaunen und zu teilen. Gänsehautfeeling!
Ein ausführlicher Bericht wird morgen folgen. Nach über einer Woche Dauer-Occupy ist heute erst mal Pause angesagt. Ich bin auch sehr gespannt auf die Interviews und den Zusammenschnitt von Flügel-TV.
Für den Moment lasse ich Bilder sprechen:











Freitag, 28. Oktober 2011

der Überwachungsstaat

Bemerkenswerter und schockierender Bericht aus der Sendung "Kontraste" zum Thema Überwachung:



weiterer Bericht aus der "Kulturzeit" zum selben Thema:


Innenpolitisch gibt es eigentlich kaum noch Dinge, die mich wirklich schocken. Schließlich erwarte ich von dieser Bundesregierung nichts wirklich Gutes mehr. Doch diese beiden Berichte haben es geschafft.
So weitbist es also schon gekommen. Schlimm genug, welche Dauerüberwachung bereits heute besteht. Daten von jedem Bürger werden dauerhaft erfasst. Richtig problematisch wird das dann, wenn Daten verknüpft werden. Eine Rasterfahndung - höchst umstritten sogar zu Teiten der RAF - ist einfacher denn je geworden.

Nun sorgen weitere Vorstöße von ELENA, einer Krankenversicherungskarte, die alle Krankheitsdaten speichert und verteilt bis hin zu INDECT zu einer weiteren Verschärfung.
INDECT verstößt eindeutig gegen geltendes Recht - das ist den Verantwortlichen aus Industrie und Politik bewusst, doch es stört Niemanden. Mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit wird darauf hingewiesen, es handle sich eben um ein profitables Geschäft. Man geht noch weiter. Ich hoffe natürlich sehr, dass diese Drohnen in Deutschland nicht durchsetzungsfähig sein werden; sonst werde ich dem Land endgültig den Rücken kehren,

Es würde eine massive Einschränkung des Datenschutz und der Bürger- sowie Grundrechte bedeuten. Das Recht auf Privatsphäre wird in Frage gestellt. Ein Generalverdacht lastet dann auf jedem. Dann hilft auch die oft bemühte Floskel "ich habe doch nichts zu verbergen" gar nichts mehr. Denn die Freiheit sinkt auf ein Minimum, während totale Sicherheit und intelligente Überwachung eine Utopie bleiben werden.
Wie es in dem ersten Beitrag so schön heißt: ein "Menschenbild des Tatverdachts" zerstört Demokratie nachhalitig.

Doch trotz allem Wissen um die Illegalität dieses Projekts in Deutschland, läßt man sich nicht beirren. Es kommt noch schlimmer: Nachdem Deutschland nun also Jahrzehnte lang Waffen exportiert hat, ganz gleich welcher Tyrann in dem jeweiligen Empfängerland gerade herrscht, so soll nun also diese Technologie in "als Zielmärkte interessanten Schwellenländer" exportiert werden.
Das ist nur eins: menschenverachtend!!!

Dies sogar als "Kernziel deutscher Exportpolititk" zu benennen sagt alles zu dem Thema.
Ich schäme mich für Politiker, die solche Entscheidungen treffen. Ich weiß nicht, ob ihr tatsächlich noch ein Gewissen habt, wenn doch dann habt ihr verlernt darauf zu hören. Unfassbar!

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Die Zeit drängt


Veränderung hin zu einer direkteren Demokratie brauchen Zeit. Und ich denke es ist auch sinnvoll, um genug Menschen "mitzunehmen", die sich dann auch wirklich engagieren. Schließlich muss erst mal ein Bedürfnis geweckt werden, sich aktiv zu beteiligen und dann zu erkennen, das es etwas bringt.
Ohnehin nur dann, wenn eine Breite der Bevölkerung angesprochen wird.

Jedoch gibt es auch Fragen, die keinerlei Aufschub mehr dulden. Und deswegen gehe ich genau jetzt auf die Straße. Weil ich vermute, das es sich um eine der letzten Möglichkeiten handelt, ein Umdenken einzuleiten. Ansonsten werden gewisse Prozesse nicht mehr umzukehren sein!
Um konkret zu werden als Einführung Auszüge aus einem Beitrag von heute auf spiegel-online:


"Wer Jason Clay bei einem seiner Vorträge zuhört, kann es durchaus mit der Angst um die Menschheit zu tun bekommen. "Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir unseren Planeten im Jahr 2050 nicht mehr wiedererkennen", sagt der Wirtschaftsexperte der Umweltorganisation WWF. Die größte Bedrohung auf der Erde ist laut Clay nicht etwa ein Atomkrieg, eine Superseuche oder die drohende Klimakatastrophe - sondern die Landwirtschaft.(...)


Von einer "untragbaren Last für die Erde" spricht John Sulston, Chef der Bevölkerungsarbeitsgruppe der britischen Royal Society, anlässlich der Vorstellung des Uno-Weltbevölkerungsberichts. "Wir müssen uns überlegen, wie die Erde so viele Individuen versorgen kann."(...)


Die Tragik besteht darin, dass es im Grunde reichlich Nahrung gibt. "Wir könnten sogar neun, zehn, elf Milliarden Menschen satt machen", sagt Joel Cohen von der New Yorker Rockefeller University. "Das Getreide ist da, schon heute." Aber nur 46 Prozent würden gegessen. "34 Prozent werden an Tiere verfüttert, der Rest ist Biosprit und Schmierstoff." Eine Milliarde Menschen habe ständig Hunger. "Kein Wunder, wenn wir mehr als die Hälfte unserer Nahrungsmittel lieber an Vieh und Maschinen als an Menschen verfüttern", meint Cohen.


"In den kommenden 40 Jahren", sagt Clay, "müssen wir die gleiche Menge an Lebensmitteln herstellen wie in den letzten 8000 Jahren zusammen."(...)


Dass ein heftiger Klimawandel mit gravierenden Folgen abgewendet werden kann, ist derzeit unwahrscheinlicher denn je: Die internationalen Bemühungen liegen weitgehend auf Eis, der Treibhausgasausstoß steigt schneller als je zuvor. Was erst geschieht, wenn viele Millionen Menschen in Schwellenländern wie China und Indien Autos und Klimaanlagen benutzen wollen, mögen sich viele Umweltschützer gar nicht vorstellen. Das Ziel, die Erwärmung langfristig auf zwei Grad im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten zu begrenzen, liegt in weiter Ferne.


Der australische Unternehmer und Umweltschützer Paul Gilding glaubt, dass das Problem schlicht zu groß und allumfassend ist, um von den Menschen frühzeitig angegangen zu werden. Denn das würde nicht weniger als einen tiefgreifenden Wandel des gesamten Lebensstils, ja vielleicht sogar des Weltbilds voraussetzen. Realitätsverweigerung sei in einem solchen Fall die natürliche Reaktion."

Der ganze Artikel mit jeweiligen Quellenangaben: spiegel.de: Die Welt ist nicht genug


In Ostafrika zeigt sich das ganze Elend und auch noch weitere Aspekte, die sehr beunruhigend sind:
Man erinnert sich: vor der Küste Somalias werden immer wieder Kreuzfahrt- und Handelsschiffe von "Piraten" gekapert. Woher kommen diese "Terroristen". Vielfach sind es genau die gleichen Menschen, die zuvor Fischer waren, bis es durch die Verklappung von Giftmüll vor der Küste für den Fischfang keine Grundlage mehr gab. Wer will ernsthaft diesen Menschen Vorhaltungen machen, dass es ihnen irgendwann gereicht hat und sie in ihrem Elend sich dort das Nötige holen, von wo auch die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage gekommen ist. Natürlich gibt es dann keine Differenzierung mehr. Selbstverständlich kann das nicht die Lösung sein und inzwischen gibt es dort massive mafiöse Verbindungen. Das "Kapergeschäft" ist professionell geworden. Ich verurteile diese Menschen jedenfalls nicht, auch wenn ich das Ergebnis kaum gutheißen kann.

Kommen wir zu den nächsten Aktueren. Als ich 2001 das erste und einzige Mal in Ostafrika war habe ich mich sehr gewundert dort ein gigantisches chinesisches Straßenbauprojekt vorzufinden. Erst viel später begriff ich, dass das nur zur Schaffung neuer Transportadern diente, um langfristig die Ressourcen Afrikas auszubeuten. Gleichzeitig haben Grundstückspekulanten in großem Stil begonnen Großgrundbesitz aufzukaufen. Verkäufer waren Kleinbauern. Selbst schuld, mag mancher einwerfen, der Gier erlegen. Doch weit gefehlt. Seit Jahren verendet immer mehr Vieh, denn auch die Klimaveränderungen mit Wüstenbildung trifft Ostafrika extrem hart. So blieb vielen Kleinbauern gar nichts mehr übrig als zu verkaufen. Ohne Vieh und Landwirtschaft geht nichts.
Als wäre das nicht alles Strafe genug (wie die Evangelikalen gerne behaupten; Strafe für moralische Schwäche; unglaublich pervers!), so wird auch noch von Spekulanten weltweit mit Termingeschäften im Sekundentakt mit Lebensmitteln gehandelt, mit der Folge, dass die Güter unkontrolliert ansteigen und so für Menschen in bitterer Armut unerschwinglich werden.
Ich schäme mich, Teil in einer Welt zu sein, in der so etwas passieren kann und geduldet wird!
Jean Ziegler bringt es für mich am deutlichsten zum Ausdruck. Er spricht von Mord, da das massenhafte Sterben in Ostafrika und anderswo vermeidbar ist.

Jean Ziegler: Aufstand des Gewissens

Aus den Medien ist das Drama in Ostafrika nahezu vollständig verschwunden, stattdessen geht es um unendliche Debatten, wie der EURO und das SYSTEM, das eben solche Zustände erst ermöglicht, am Leben gehalten wird. Das ist an Perversion nicht mehr zu toppen!

Morgen folgen Gedanken zum Überwachungsstaat.
Wehrt Euch! Diese Umstände sind nicht hinehmbar!

Dienstag, 25. Oktober 2011

Am Wichtigsten ist was uns eint!



In diesen Tagen wird viel über die Vereinnahmung des Protests innerhalb der Bewegung gestritten. Sicher zu recht. Man muss höllisch aufpassen, um sich nicht plötzlich in einen Topf geworfen zu werden, mit 
Organisationen die fragwürdige Motive haben.

Doch bei aller berechtigter Vorsicht wird darüber leider vielfach das was uns verbindet vergessen - stattdessen scheint viel interessanter zu sein, was uns trennt. Damit spielen wir jedoch nur all denen in die Karten, die sich ein Scheitern der Proteste wünschen.
Das dient der Sache sicher nicht. Und bei aller notwendigen Abgrenzung schwächt das den Protest enorm.

Denn nun muss es erst mal gelingen, die Massen zu organisieren, die sich dann miteinander real auseinandersetzen. Dabei wir sicher vielen das eine oder andere missfallen, was der ein oder andere Gesprächspartner sagt, aber das ist doch nicht entscheidend. Auch nicht, ob jemand sein Fähnlein schwenkt oder nicht. Zumindest solange nicht, wie man nicht versucht, andere für die ureigenen Interessen einzuspannen. Sondern wir müssen ins Gespräch kommen. Eine Fähigkeit, die uns immer mehr abhanden zu kommen scheint.

Noch bedenklicher ist in die Berichterstattung über die inzwischen weltweiten Proteste. Noch immer kann ich nicht fassen, wie wenig über die Proteste am 15. Oktober in den traditionellen Medien berichtet wurde. 750.000 Menschen in Spanien, eine zum Bersten angefüllte Altstadt von Jerusalem, Und worauf schaut die Berichterstattung? Auf ein paar hundert Randalierer in Rom. Schon sind die übrigen friedlich protestierenden 200.000 Menschen vergessen.

Doch es finden sich auch objektivere Berichte in den Medien, dazu muss man allerdings etwas graben.
Sehr interessant, was inzwischen selbst in Magazinen zu finden ist, die sicher nicht verdächtig sind, linkslastig zu sein.

Bemerkenswert, wie weit Realwirtschaft und Börsen inzwischen auseinander driften:

"Europas Konzerne haben ihre Gewinne im vergangenen Jahr kräftig gesteigert. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie "Euro 500" des Managermagazins. Die Gewinne der 500 größten börsennotierten Firmen Europas erhöhten sich 2010 um 60 Prozent von insgesamt 321 auf 514 Milliarden Euro. Der Börsenwert der Unternehmen sank dagegen bis Ende September 2011 um rund 13 Prozent auf insgesamt 5 680 Milliarden Euro (Vorjahr 6 527 Milliarden Euro)."  


Sehr erfreulich auch, wie deutlich sich Dirk Müller (bekannt als Mister Dax aus der ARD) äußert:

"Unser Finanzsystem ist am Ende. In den USA beträgt die Gesamtverschuldung der Bürger, des Staates und der Industrie bereits 400 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – das ist historisch einmalig. Das führt dazu, dass ein großer Teil dessen, was die Bürger erwirtschaften, für Zinsdienste abfließt. Diese Zinsen werden in der Regel nicht wieder in die Wirtschaft investiert, sondern stapeln sich bei denjenigen, die bereits sehr viel besitzen. Das soll nicht klassenkämpferisch klingen – ich gehöre keiner Partei an. Ich erkläre nur, wie das System funktioniert beziehungsweise dass es nicht ewig funktioniert."


Sogar die deutsche Bundesbank beschreibt inzwischen die Geldschöpfung aus dem Nichts:
Kommentar des Autors dieses Beitrags:

"Höchst interessant – und für Mainstream-Gläubige wohl ein Schlag ins Gesicht. Wir finden hier den wichtigsten Punkt angesprochen: die Kreditforderung der Bank wird an den Kunden als Aktivum (Guthaben) gebucht und so Geld aus dem Nichts erzeugt."
"Ausgerechnet die Deutsche Bundesbank beschreibt die angebliche Verschwörungstheorie einer Geldschöpfung aus dem Nichts." 

Quelle mit Originalpassagen der Deutschen Bundesbank:

Wie schwierig sich der Protest in Deutschland gestaltet, darauf geht dieser Beitrag ein:

„…wenn eifrige deutsche Beamte nicht alles daran setzen würden, dieses Demokratieexperiment zu unterbinden. In anderen Ländern überall auf dem Globus machen sie uns längst vor wie Demokratie geht: Auf die Straße gehen, beginnen wieder richtig miteinander zu sprechen und erkennen, dass wir zu mehr fähig sind als zu dem was man uns als „normal“ oder „alternativlos“ verkaufen will.“

Quelle:

In der taz taucht in einem Beitrag folgende Passage auf:

"Wer ist hier der Versammlungsleiter?", fragt ein Polizist in die Runde der Demonstrierenden, die hier unorganisiert auf der Wiese stehen. Versammlungsleiter? Diese Frage wird noch für Probleme sorgen.
Hunderttausende Menschen demonstrierten am Wochenende weltweit für "echte Demokratie" und gegen die Macht der Banken. Auch in Deutschland, international bestaunt für seine schwächelnden Globalisierungsproteste, schlugen Demonstranten in der Bankenmetropole Frankfurt ihre Zelte auf, demonstrieren täglich vor dem Bundestag. Doch eines ist dort anders als bisher: Es fehlen die Fahnen der Parteien, die Logos von Attac - und auch Gewerkschafter geben sich kaum zu erkennen. Ein Protest ohne die üblichen Wortführer? Ist das überhaupt eine "Bewegung"?


Diese Erfahrung habe ich auch schon machen „dürfen“. Doch tatsächlich gibt es keine Versammlungsführer und das ist auch gut so. Es handelt sich nicht um eine Strategie, um den Auflagen der Polizei zu entgehen, sondern diese Haltung ist Grundlage der Bewegung. Selbstverständlich wird auch der Protest noch politischer werden. Doch zuerst einmal muss man sich einmal auf einen verbindenden Konsens verständigen. Und genau dazu sollen die Treffen dienen! Im Übrigen sehr bedenklich, wie wenig Spielraum das Versammlungsgesetz bietet. Außerdem traurig, dass gerade hier in Deutschland die Menschen so stark daran gehindert werden, Solidarität untereinander zu bekunden. Es handelt sich um einen internationalen Protest, der Probleme im Auge hat, die dauerhaft auch nur global zu lösen sind.
Im nächsten Beitrag werde ich konkreter auf diese Probleme eingehen und Vorschläge für entsprechende Positionierungen anderer Blogger und Aktivisten präsentieren.

Weitere ergiebige und breit gefächerte Quellen zur Information:







 


Macht Euch Euer eigenes Bild und zeigt Euch vor allem auch auf der Straße!!!

Dienstag, 18. Oktober 2011

Die Zukunft des Protests

Der 15. Oktober ist Vergangenheit. Gar nicht so einfach auseinander zu dividieren, was wirklich an diesem Tag geschehen ist und einen Ausblick zu liefern, wohin sich der Protest in naher Zukunft entwickeln wird!
Erst mal sehr erfreulich, dass am 15. mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen sind. Auch wenn ich persönlich mir noch mehr erhofft hätte, so ist dies ein kleines Pfläzchen. Ohnehin war klar dass es sich um einen Anfang handeln würde. Persönliche Vernetzung stand im Vordergrund. Sich zu vergewissern, dass der Protest an Breite gewinnt und dass es sich lohnt weiter zu machen.

Wie nicht anders zu erwarten war, so wird von verschiedensten Interessengruppen versucht, den Protest zu vereinnahmen. Ob nun von der Politik, getarnten Neoliberalisten oder linken Splittergruppen. Eine solche Verreinnahmung muss um jeden Preis verhindert werden. Zuletzt hatte sich gar Frau Merkel mit den Protesten solidarisiert. Beachtlich, Frau Wendehals! Die Banken retten, mit Herrn Ackermann politische Entscheidungen abstimmenund nun aber auch gegen die Banken zu sein. Einfach nur lächerlich!

Eine sehr traurige Randnotiz ist auch, was Wolfram Siener widerfahren ist. Der Sprecher der "Occupy Frankfurt"-Proteste war kurzzeitig zu einiger Bekanntheit gelangt, nachdem er mehrfach im Fernsehen sehr eloquent und deutlich seinen Protest und die dahinterliegende Motivation erläutert hat. Inzwischen ist er von seinem Posten zurückgetreten, nachdem er Morddrohungen gegen sich und seine Familie erhalten hatte. Ein absolutes Unding. Solidarische Grüsse an dieser Stelle!

Doch erstmal ging es ja tatsächlich darum, möglichst viele Menschen zu mobilisieren. Für die Zukunft gilt es allerdings konkretere Forderungen zu stellen und zwar nicht nur was die dringend benötigte Regulierung der Finanzmärkte angeht. An diesem Punkt halte ich die 99%-Rufe auch für nicht zielführend. Zumindest nicht auf Dauer. Denn schließlich bringt es nichts, die Banker als Feindbilder zu stilisieren. Die Gier mancher Zocker isttatsächlich ekelhaft, aber letztlich sind sie nichts anderes als Profiteure eines korrupten Systems, das Ideale hat, die Zockern in die Karten spielen. Es geht um einen Systemwandel. Und mit einer Regulierung der Finanzmärkte wäre viel gewonnen, aber man sollte nicht dem Trugschluss aufliegen, darum wäre gleich alles gut.

Nichtsdestotroz sehr interessant die Einkommensentwicklung seit den 80`ern an der Wall Street. Während damals noch ein nachvollziehbares Verhältnis bestand, so verdient der durchschnittliche Angestellte an der Wall Street mit 361.000 Dollar fast sechsmal so viel wie der durchschnittliche Angestellte in New York City, der 66.000$ verdient.

Unerträglich und abstoßend finde ich die Tatsache, dass noch immer mit Nahrungsmitteln spekuliert wird. Das ist ein unglaublicher Skandal, der jeden von uns wütend machen müsste:

spiegel.de: Rohstoffspekulation: Foodwatch gibt Ackermann Mitschuld an Hungersnöten


Spannend auch, was Jean Ziegler zu sagen hat. In der aktuellsten Ausgabe von ttiel-thesen-temperamente wird auch seine unglaubliche Biographie nachgezeichnet. Mein höchster Respekt für diesen Mut!

ttt: Jean Ziegler: Wie der Rebell vom Genfer See die Welt wachrüttelt

Ein Systemwandel wird nicht von heute auf morgen geschehen, aber es gibt Themen, die sind so drängend, dass ihre Lösung schnell gefunden werden muss. Und damit ziele ich vor allem auf ökologische Nachhaltigkeit ab. 2011 wird das Jahr sein, in dem der Energieverbrauch auf dem Planeten erneut einen unrühmlichen Höhepunkt erreichen wird. Das muss man sich einmal klar machen, so erfreulich die technischen Fortschritte bei den erneuerbaren Energien sind. Doch diese neuen Techniken müssen gefördert werden, vielleicht muss man sie sogar verpflichtend machen.
Denn während Evolutionen Zeit brauchen, so ist die Frage, wieviel Zeit wir tatsächlich haben, bevor der rasante Ressourcenschwund zuunumkehrbaren Folgen führen wird.

Und es wird Zeit für ein anderes Miteinander. Die soziale Kälte in Deutschland finde ich unerträglich. Es scheint vielen tatsächlich noch nicht schlecht genug zu gehen. Natürlich sind die Probleme in den U.S.A. ungleich größer. Wo viele Menschen keine Krankenversicherung haben und es bei weitem kein so "gutes" soziales Netz gibt wie hier. Doch ist das Netz hier wirklich noch so gut. Sollte man sich hierzulande umgekehrt mit den U.S.A. oder gar Entwicklungsstaaten vergleichen?
Ich denke nein. Warum sollte sich unser Blick auf Staaten richten, in denen es schlechter läuft?

Der Sozialabbau und die Diskriminierung derer, die Sozialabgaben beziehen, muss dringendst gestoppt werden. Noch immer gibt es keinen Mindestlohn, vom Grundeinkommen mal ganz zu schweigen!

Es gibt vieles, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Also bleibt dran Veränderungen brauchen Zeit, sind aber möglich. Jedoch nur über das Engeagment und Wachsamkeit Vieler!

Gerne verweise ich auch noch auf den Politikblog von jacob Jung, der wie einige weitere auch Aufnahme in den Blogroll gefunden hat. Im neuesten Beitrag versucht er sich in einem vieldimensionales Manifest, dem ich durchaus zustimmen kann. Werde meine Überlegungen dazu in Kürze niederschreiben.

Sehr interessant auch, was Ernst Prost und Dirk Müller, bei Lanz zu sagen haben. Hätte nie, gedacht, dass ich mal Lanz empfehlen würde...

Ein brillianter satirischer Informationsfilm, der aus der Perspektive von ausserirdischen Eroberern einen Blick auf unser Geld- und Bankensystem wirft, sei außerdem wärmsten empfolhlen.

Solidarische Grüsse von Mr. Coconutyoga an alle die noch ausharren oder sich andersweitig engagieren!!!

Dienstag, 11. Oktober 2011

Ein Recht auf Stadt


Eine erneute und vor allem sehr aktuelle Dokumentation zum Thema Gentrifizierung. Besserverdienende und Businessmenschen entdecken den Kiezschick auf St. Pauli und verdrängen munter weiter Alteingesessene und ihre Alltagskultur. Der ZDF-Reporter Wolf-Christian Ulrich möchte dieser Entwicklung auf den Grund gehen und protestiert vor Ort für ein "Recht auf Stadt!"

Montag, 10. Oktober 2011

Empört Euch!


Der 15. Oktober rückt immer näher. Die Spannung steigt bei mir mit jedem Tag. Nicht, dass ich die große Weltrevoltion erwarte, die mancher herbeischreiben möchte. Nein, ich hoffe viel mehr auf eine Evolution, über eine langsam voranschreitende grundlegende Veränderung der Machtverhältnisse auf diesem Planeten...
Ein hehres Ziel...

Nach wie vor wird der Protest noch immer auffällig missachtet von den traditionellen Medien.
Neben der taz macht der Webauftritt der Tagesschau eine erfreuliche Ausnahme.
So existiert hier eine kommentierte Linkliste zu dem Protest.

Auf tagesschau.de außerdem zu finden ist der Artikel Wall-Street-Kritiker kündigen heißen Herbst an und ein kurzen Korrospondentenbeitrag vom selben Autor, der versucht, die Bewegung einzuordnen.
Was mich erstaunt ist, wie wenig sich der Internetauftritt des Spiegel sich diesem Thema widmet.

In der taz wird auch auf die geplanten Protestaktionen in deutschen Städten eingegangen. Dass Lafontaine zu den Protesten aufruft, ist für mich nur eine Randnotiz. Sosehr ich in den Reihen der Partei "Die Linke" noch am ehesten Politiker sehe, die darüber sprechen, worum es wirklich geht, so unmöglich ist für mich die Person Lafontaine nach wie vor. So sehr er manchmal durchaus den Punkt treffen mag, so widerwärtig ist mir sein Populismus. Der Protest lässt sich nicht vereinnahmen. Dennoch bleibt mir ein Aufruf von ATTAC näher, da es bei dem Protest um viele Eckpunkt der Politik dieser Bewegung geht.

Was mir an Anonymus trotz einer gewissen Verbundenheit nicht gefällt, ist alleine schon der Satz: "we will not forgive". Doch, ich denke, das wird nötig sein. Nicht zu vergessen, ist notwendig, aber ohne die Bereitschaft auch Menschen mit offenen Armen zu empfangen, die sich von ihrer Gier, das das bestehende System explizit unterstützt (Geiz ist geil!"), haben treiben lassen, bewegen wir uns auf ganz dünnem Eis! Wir alle tragen dieselbe Gier in uns!
Es darf nicht um Rache gehen. Da sind wir ganz schnell wieder beim Faschismus.
Und dieser Gefahr muss sich eine jede Bewegung stellen.

Doch es geht um eine Veränderung hin zu mehr Basisdemokratie. Diese ist viel näher herangerückt durch die Möglichkeiten der Venetzung. Es lässt sich sehr viel leichter abstimmen, was wirklich sinnvoll erscheint.
Doch mindestens genauso wichtig sind die sehr viel direkteren Möglichkeiten zur Informationsebschaffung. Immer mehr Menschen nutzen das Internet, um sich selbst Quellen zu erschließen, diese zu vergleichen und so zu einer eigenen Meinungsbildung zu gelangen. Es lässt sich viel weniger verschleiern. Wichtige Informationen gehen in Sekundenbruchteilen um den Erdball, ganz gleich ob es Mächtige gibt, die diese Informationen zurückhalten möchten.

Bei aller Vorsicht, die man walten lassen sollte, möchte ich ganz deutlich dazu aufrufen, sich am 15. Oktober zu zeigen. Auf den STtraßen. Denn sonst bleibt die ganze Vernetzung am Ende stumpf.
Niemand muss sich vereinnahmen lassen. Es geht darum, reele Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und gemeinsam zu überlegen, welche Veränderungen kurz- vor allem aber mittelfristig zu erreichen sind und wie.

Letztlich liegt es bei jedem Einzelnen, sich zu überlegen, ob er Gründe hat, sich am 15. Oktober zu solidarisieren. Zu sprechen. Zu zeigen, dass viele empört sind darüber, dass ein zum scheitern verurteiltes Wachstumsmodell keine Antwort bietet zu den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.
Sondern nichts anderes darstellt als Raubbau an den endlichen Ressourcen dieses Planeten.
Es wird Zeit für ein neues Gesellschaftsmodell, in dem Arbeit und Reichtum wieder sinnvoll aufgeteilt wird. Wie wir vor allem wie der gegenseitige Umgang miteinander zukünftig aussehen soll.
Wie wir die Kälte der Konkurrenz innerhalb der Gesellschaft überwinden können.

Doch jeder soll seine ganz eigene Motivation mitbringen, um Farbe zu bekennen.

Die Zeit ist reif!!!


weiterführende Links:


Huffington Post: Occupy Wall Street
die wohl beste Quelle über die Proteste in den U.S.A.

sein.de - Von der Wallstreet in die Welt: Die Revolution wächst
hier finde ich zurzeit die interessantesten Gesellschaftsanalysen

RAP NEWS 7: #Revolution spreads to America
Ich liebe bereits die Rap News...

SZ: Bürger gegen Finanzindustrie: Steht endlich auf und empört euch!
Auch die Süddeutsche macht eine angenehme Ausnahme in der deutschen Berichterstattung


wer sich über geplante Demonstrationen informieren möchte, sei verwiesen auf:


15october.net

auf FB: Aktuelle Demo-Termine "Echte Demokratie jetzt!"

Samstag, 8. Oktober 2011

Der Zusammenbruch wird kommen

Ein brilliantes Interview möchte ich nicht vorenthalten. Selten eine solch klare Analyse über den Zustand der Welt gehört. Ich teile die Ansichten uneingeschränkt! Deswegen ist der Protest so wichtig!!!

Radio F.R.E.I.: Interview mit Harald Welzer – „Der Zusammenbruch wird kommen“ ...

RAP NEWS 9 - The Economy


Bei all den erfreulichen Entwicklungen mit steigenden Protestzahlen, sollte man das Lachen nicht vergessen...

Man sollte sich auch nicht unkritisch werden angesichts verschiedenster Organisationen, die auch diesen Protest mit angestoßen haben und ihn auch für sich nutzen werden wollen.
Ich sympathisiere durchaus mit einer Gruppe wie Anonymus, was aber noch lange nicht sagt, dass ich ihre Ideale voll teile. Die Zeitgeist-Bewegung ist ein noch besseres Beispiel. Hier finden sich leider viele hoffnungslose Verschwörungstheoretiker und so auch reichlich Antisemitismus bei vielen Mitgliedern unter dem Mantel angeblicher USA-Israel-Weltverschwörungen. Ich bin auch israelkritisch, aber das ist doch ein ganz alter Hut und hilft keinem!!!

Bleibt also kritisch und macht Euch Euer eigens Bild!!!

Freitag, 7. Oktober 2011

Worum geht es eigentlich bei dem Protest?


In den letzten Tagen habe ich extrem viel über die Protestbewegungen geschrieben und verlinkt.
Vielleicht an der Zeit nochmal einen Schritt zurück zu gehen. Denn viele fragen sich noch immer:

Worum geht es eigentlich bei dem Protest? Was sind die Forderungen? Und wenn der Protest tatsächlich so groß anschwellen sollte, wie manche das erwarten, warum gibt es darüber so wenig Informationen in den traditionellen Medien?

Die spanische Gruppierung »Democracia Real Ya« (Echte Demokratie Jetzt), die mit ihrer Mobilisierung zum 15. Mai die gegenwärtige spanische Demokratiebewegung ausgelöst hat, ruft nun zu einer weltweiten Großdemonstration am 15. Oktober auf. Dabei soll überall auf dem Planeten gegen Regierungssysteme protestiert werden, »in denen die Bürger als Waren benutzt« werden, wie fünf Sprecher der Kampagne auf einer Pressekonferenz in Madrid ankündigten.

Es gehe um einen ständigen Kampf gegen den Kapitalismus, der Menschen zu Waren gemacht habe.




Und die Vernetzung ist wirklich rasant fortgeschritten. Aber alles findet in einer Gegenöffentlichkeit statt, die von den traditionellen Medien nur ganz am Rande wahrgenommen wird. Erfreuliche Ausnahmen gibt es; exemplarisch möchte ich die taz erwähnen. Diese Aufmerksamkeit wird sich noch erheblich erhöhen, davon bin ich überzeugt.

Die Gegenöffentlichkeit - das sind in erster Linie Blogs, Live-Streams und Verlinkungen über die traditionellen sozialen Medien wie Facebook - aber auch der Dienst "Twitter" bietet speziell über die Funktion, Nachrichten auch auf Mobiltelefone senden zu lassen, ganz neue Möglichkeiten für eine andere Bürgerbeiteiligung. Eine Vernetzung und Mobilisierung innerhalb kürzester Zeit ist so möglich geworden.

Ich wage zu behaupten, dass weder die Parkschützer bei Stuttgart 21 oder die Demokratiebewegungen im arabischen Raum oder irgendeine andere Protestbewegung wie "Occupy Wall Street" ohne Nutzung der Gegenöffentlichkeit möglich gewesen wären bzw. eine solche Resonanz hätte erzeugen können.

Ein ganz wesentlicher Beitrag kam zudem von Stephane Hessel. Ein 93-jähriger, der sich für Zukunftsthemen engagiert! Mit seiner Protestschrift "Empört Euch" hat er den Nerv einer ganzen Generation getroffen. Ich kann nur jedem empfehlen, diese wenigen Seiten zu lesen und sich von der Aktualität seiner Forderungen zu überzeugen. Respekt, Herr Hessel!

Ich bin sehr gespannt, wie groß der tatsächliche Wille eines jeden Einzelnen sein wird, um sich an der friedlichen Besetzung öffentlicher Plätze weltweit zu beteiligen. Es ist nur noch eine Woche bis zum 15. Oktober und es wird Zeit, sich zu überlegen wie und wo man sich selbst beteiligen kann.

Im Moment geht es schließlich um nichts weiter, um erst mal seinen kapitalen Unwillen mit der bestehenden Verteilung der Macht, zum Ausdruck zu bringen.

Es gibt aktuell dermaßen so dermaßen dringliche Probleme anzugehen, dass es gar nicht möglich ist, sich auf einige wenige Forderungen zu beschränken.
Selbstverständlich richtet sich ein großer Teil des Protests gegen die Bankenrettung auf Kosten von massiven EInsparungen in den Sozialsystemen. Auch Themen wie Umweltschutz, Armut, Generationengerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit stehen ganz oben.

Ein Slogan bewirbt den Protest mit "we are the 99%". Auch wenn ich auch einen breiten Protest sehe, so geht mir das viel zu weit. Ich kenne viele Menschen, die sich von einem solchen Protest nichts versprechen. Und ich denke auch, dass diese Zuspitzung vielleicht der Protestbewegung nützt, in dem es mehr Menschen mobilisiert, mittelfristig halt ich diesen Slogan für wenig zielführend.

Schließlich kann es kaum darum gehen, ein weiteres Gut vs Böse-Klische zu zementieren. Es gibt nicht die 1% Bösen, das ist viel zu kurz gedacht. Sicher ist es auch für mich Hauptmotivation für den Protest, die Veränderung der Vermögensverhältnisse auf diesem Planeten zu änden.
Doch damit wird es nicht getan sein. Denn es geht letztlich um die Gier in jedem von uns. Wenn wir wirklich, erreichen wollen, dass es mehr Gerechtigkeit auf dem Planteten gibt, dann muss sich ein jeder auch mit seinen Egoismen auseinandersetzen. Nur dann werden die Ressourcen für alle reichen.


Nun gilt es erst mal Foren zu schaffen, um über solche Themen überhaupt ins Gespräch zu kommen.
Denn eines scheint klar - genau dieser persönliche Austausch über all die drängenden Probleme, wird gerade erst wieder entdeckt in den so anonymen Gesellschaften des Westens. Eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung. Ein Treppenwitz fasst, das ausgerechnet das anonyme Internet diese Enwticklung katalyisiert.

Ganz gleich, was der 15. Oktober bringen wird, so ist es in jedem Fall ein Anfang zu einer neuen Form der Bürgerbeteiligung an der Politik. Ein lange vermisstes Signal. Und eines, das viel Hoffnung macht!

Die Proteste weiten sich in den USA immer mehr aus und die Vorzeichen mehren sich, dass auch die Empörung der europäischen Bürger am 15. Oktober deutlich sichtbar werden wird.

Doch ganz gleich, was der 15. Oktober bringen wird, so ist es in jedem Fall ein Anfang zu einer neuen Form der Bürgerbeteiligung an der Politik. Ein lange vermisstes Signal. Und eines, das viel Hoffnung macht!

Wir stehen ohne Zweifel vor einem spannenden Herbst!





Weiterführende Links:



3sat-Kulturzeit: Interview mit Alexis Passadakis (ATTAC)


Ocuppy Wall Street


taz: Occupy Wall Street Proteste

Donnerstag, 6. Oktober 2011

WISO: Die Bank gewinnt immer

Einmal mehr der Verweis auf den Satireblog "Lupe". Diesmal satirefrei. Hier findet sich ein ausgesprochen interessanter Wiso-Beitrag, der zwischenzeitlich auf youtube "auf Regierungsanfrage" gesperrt wurde.

Ich vermute hier keine Verschwörung, denkwürdig ist der Vorgang allemal. Respekt auch an das WISO-Team für diesen Beitrag!!! Genau gegen dieses Finanzgebaren richtet sich der Widerstand!

Lupe: Das in Deutschland zensierte Video

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Geschenke, Abendessen, Flugreisen: Wie die Pharmaindustrie Ärzte korrumpiert. Ein Gespräch

Der in Hennigsdorf praktizierende Facharzt für Innere Medizin, Thomas Lindner, ist Mitglied beim pharmakritischen Netzwerk Mezis. Mit dem 62-Jährigen sprach Sebastian Meyer.

MAZ: Sie wenden sich gegen die Manipulation von Ärzten durch die Pharmaindustrie. Wie wird genau beeinflusst?

Thomas Lindner: Zunächst werden die Ärzte teilweise mehrfach täglich von verschiedenen Vertretern der Industrie besucht, die den Auftrag haben, ihre Produkte auf den Markt zu bringen. Das sind meist sehr sympathische, junge Menschen, wohlriechend und mit kleinem Koffer dabei. Die zeigen den Ärzten dann Hochglanzbroschüren, in denen steht, wie toll ihr Medikament wirkt.

Was ist daran so schlecht?

Lindner: Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein hochpreisiges Küchengerät kaufen. Da gehen Sie ja auch nicht zu Miele und erkundigen sich, ob Miele-Produkte die besten sind, sondern Sie würden bei einer unabhängigen Stelle wie der Stiftung Warentest nachsehen. Viel wichtiger wäre es, dass auch Ärzte sich grundsätzlich unabhängig informieren und sich das Verordnen von Medikamenten nicht von der Industrie aufs Rezept diktieren lassen.

Was unternimmt die Pharmaindustrie noch?

Lindner: Es gab von der Industrie gesponserte Computerprogramme, bei denen – ähnlich wie bei einer Google-Suche – bestimmte Medikamente weiter oben auftauchen. Oder eher harmlose Dinge, wie Berater, die Kugelschreiber mit Aufschriften oder Büromaterialien mitbringen. Das geht dann aber auch so weit, dass man zum Essen eingeladen wird oder zu Weihnachten mal eine gute Flasche Wein bekommt. Dann gibt es auch dreistere Dinge, wobei man sagen muss, dass das in den letzten Jahren weniger geworden ist. Mir wurden schon Flugreisen inklusive Hotel zu Kongressen angeboten. Da hätte ich dann ein Wochenende in München verbringen können. Und weil ich ja zeitlich so „arg belastet war“, galt die kostenfreie Einladung auch gleich für meine Frau.

Was gab es noch für Sie?

Lindner: Einmal hat mir eine junge Dame Blumen mitgebracht. Da habe ich als älterer Mann erst mal gedacht, dass ich bevorzugt behandelt werde und die Frau mich sympathisch findet. Später habe ich dann in einem Lehrbuch für Pharmaberater gelesen, dass man Ärzten, die keine Geschenke entgegennehmen wollen, einfach mal Blumen schenken soll. Und schon ist die Basis für ein gutes Verkaufsgespräch geschaffen.

Sie sagen, dass Ärzte durch die Annahme solcher Geschenke korrumpiert werden. Woran machen Sie das fest?

Lindner: Es ist unwahrscheinlich, dass die großen Pharmakonzerne Geld für Werbemaßnahmen ausgeben, die nichts bringen. Es ist nachgewiesen, dass Ärzte, die von der Pharmaindustrie beeinflusst werden, anders verordnen als Ärzte, die sich weniger beeinflussen lassen. Das heißt, sie nehmen häufiger neue, unerprobte Medikamente, die für Patienten immer ein gewisses Risiko darstellen. Und sie verschreiben hochpreisiger.

Haben Sie ein Beispiel?

Lindner: Es gibt ein neues Mittel gegen Bluthochdruck, Rasilez. Es ist nicht nachgewiesen, dass es besser ist als bewährte Medikamente, dafür aber sechs- bis siebenmal so teuer. Viele Ärzte verschreiben es trotzdem. Warum machen sie das? Ich denke, da haben sie wohl Besuch von einem Pharmaberater bekommen.

Das heißt, die Kosten des Gesundheitssystems werden dadurch aufgeblasen.

Lindner: Ja. Es heißt immer, wir werden älter und benötigen mehr Medizin, und das treibe die Kosten an. Dass aber durch unangemessene medikamentöse Therapien die Kosten ebenso unnötig in die Höhe getrieben werden, darüber redet man seltener.

Woran kann ein Patient feststellen, ob sein Arzt unabhängig ist?

Lindner: Das ist sehr heikel. Als Patient sucht man ja im Arzt eine Vertrauensperson. Deswegen ist es umso kritikwürdiger, wenn er besondere wirtschaftliche Interessen in diese Beziehung mit hineinbringt. Man erkennt es aber am Wartezimmer, an den Kalendern, Broschüren oder den zahlreichen Pharma-Kugelschreibern des Praxispersonals. Das sieht so ein bisschen aus wie in der Formel 1, wo einem alles entgegenblinkt. Und man kann eine Beeinflussung vermuten, wenn ein Arzt Medikamente aus seinem Schrank holt – als kleine Gratis- Probepackung.

Er fixt den Patienten also an?

Lindner: Ja, so würde man das in der Suchtbehandlung sagen. Und wenn die Probepackung leer ist, dann muss sich der Patient das meist teure Medikament in der großen Packung aus der Apotheke holen – und das hat dann seine Krankenkasse zu bezahlen.

Was sagen die Kollegen eigentlich zu Mezis?

Lindner: Es gibt ganz schön Gegenwind. Ein Kollege hat mich gefragt, ob ich zu blöde wäre, nicht selber zu entscheiden, was auf mein Rezept kommt. Er könne das.

Lässt sich ein Großteil der Ärzte also korrumpieren?

Lindner: Ja, man sollte das in vielen Fällen so nennen. Stellen Sie sich vor, Sie stellen einen Bauantrag, bei dem nicht sicher ist, ob er genehmigt wird. Am Abend vor der Entscheidung laden Sie die gesamte Behörde zum Essen ein – natürlich, ohne über ihr Bauvorhaben zu reden. Am nächsten Tag wird positiv über den Antrag entschieden. Angenommen, das würde publik: Was würde die Bevölkerung wohl sagen? Ich glaube, vom gesunden Menschenverstand ordnet man das richtig ein. Nur wir Ärzte nehmen mit vollen Händen die Wohltaten der Industrie an und behaupten hinterher, es war nichts gewesen.

Was hat sich für Sie geändert, seitdem Sie bei Mezis sind?

Lindner: Ich habe mehr Zeit für meine Patienten und muss selber für meine Fortbildungen zahlen.

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Quelle: Märkische Allgemeine vom 12.08.2011
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12149434/61129/Geschenke-Abendessen-Flugreisen-Wie-die-Pharmaindustrie-Aerzte-korrumpiert.html

Mezis - Initiative unbestechlicher Ärzte und Ärztinnen
http://www.mezis.de/

Was ist die Bewegung?

Eine gute Zusammenfassung über den Aktionstag am 15. Oktober und seine Ursprünge.

Gibt es eine Bewegung? Stehen wir vor einem Paradigmenwechsel?

Diesen Fragen wird kopmpetent nachgegangen:

the babyshambler: 15. Oktober – Call for Action - Oder: Was ist „die Bewegung“?

Protest in den USA wächst und wächst

Ausführlicer Artikel über die Bewegung "Occupy Wall Street". Sehenswertes Kurzvideo!

SF: «Besetzt die Wall Street»: US-Proteststrom schwillt weiter an

Dienstag, 4. Oktober 2011

Finanzkrise mit Alkoholikern erklärt


Brilliante und amüsante Erklärung der Finazkrise. Dank, dem Satireblog Lupe, durch den ich auf das Video aufmerksam geworden bin. Ein ausgesprochen empfehlenswerter Blog. Zu finden auch im Blogroll rechts.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Evolution und Revolution

Homepage 15. Oktober
Es bahnen sich grundlegende Veränderungen an. Der Protest in den USA wird breiter und kann nicht mehr von den Medien ignoriert werden. Auch die willkürlichen Festnahmen durch die Polizei wird daran nichts ändern.

Auch wenn ich das soziale Gefälle nicht auf 1% Banker und den Rest der Menschheit reduziere, sondern glaube dass Gier uns alle innewohnt, so gefällt mir dennoch die Beschreibung des Protests durch Michael Moore und vor allem auch die deutlichen Worte in der Überleitung! Respekt vor diesen mutigen und wahren Worte:


Die verschiedenen Initiativen vernetzen sich global. Anonymus hat seine Beteilgung für die Proteste angekündigt. Immer mehr Demonstrationen werden für den 15. Oktober angemeldet. Noch ist schwer   abzuschätzen, wie gross die Beteiligung am Protest letztlich wird. Doch es liegt letztlich an der Einsatzbereitschaft und dem Durchhaltevermögen jedes Einzelnen!
 
Ein guter Artikel für die globalen Ereignisse findet sich hier:

Evolution und Revolution

Interessant auch, was der Soziologe Jean Ziegler im Nachtmagazin im Interview zu sagen hat:     

Jean Ziegler im Interview

Abschließend noch ein weiterführender Artikel:

sein.de: Zwischen den Welten: die Unzufriedenheit waechst

Was passiert gibt Hoffnung. Immer mehr Menschen glauben wieder daran, dass ein Wandel wirklich möglich ist. Das ist die beste Nachricht seit langem!

Global Change Now!

Samstag, 1. Oktober 2011

Stuttgart 21




Projektgegner versammelten sich am Schlossplatz und zogen im Anschluss in den Schlossgarten - im Gedenken an die schrecklichen Ereignisse vor genau einem Jahr, als die Landesregierung mithilfe der Polizei, versucht hatte, den Protest nieder zu knüppeln und zu kriminalisieren.

Eine kurze Rückblende:

In die Schusslinie war zu allererst eine angemeldete Schülerdemonstration geraten. Einige stellten sich den anrückenden Polizeihundertschaften in den Weg, die begonnen hatten, Bäume einzuzäunen, die später gefällt werden sollten. Darauf reagierte die Polizei unverhältnismäßig aggressiv.
Im Verlauf kam es zu massiven Einsatz von Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstock. So stellten sich auch immer mehr Demonstranten dem völlig entgleisten Polizeieinsatz in den Weg. Die Parkschützer - eine Organisation, die sich dem Erhalt des Parkabschnitts bedingungslos verschrieben hat - mobilisierten ihren Widerstand. Und auch viele einfache Bürger - aufgeschreckt von den unfassbaren Ereignissen.
Inzwischen gab es viele Verletzte, das Bild des Mannes, der sein Augenlicht fast vollständig einbüßte gingen damals ja durch die Medien.
Noch heute sind viele Menschen traumatisiert von der Gewalt, die sie am 30.09. 2010 erlebt haben. 
Der Einsatz und die Ausrüstung der Hundertschaften der Polizei waren völlig unverhältnismäßig. Es ging schließlich um den Bürgerprotest im Stadtpark und nicht um den Angriff hunderter vermummter und bewaffneter Anarchos...
Selbst wenn dies auf einer Fehleinschätzung der Lage basieren sollte - ich fürchte viel mehr es ging um einen bewussten Versuch einer Kriminalisierung und Spaltung des Widerstands - so verstehe ich eines nicht:

Wie um alles in der Welt konnte man diesen Einsatz bis zum nächsten Morgen so durchziehen, inklusive Fällung der Bäume, während der Park noch stark gefüllt war von fassungslosen Bürgern?
Hätte man nicht spätestens als die Meldungen von den verletzten Jugendlichen kam, einhalten müssen?
Um sich zu entschuldigen und erst mal aufzuarbeiten, was da schief gelaufen ist!

Nun - die Entschuldigung ist ausgeblieben und es gab auch keine juristische Konsequenzen für die völlig enthemmten Polizisten (ich möchte hier nicht unzulässig verallgemeinern - es ging um einige Polizisten) und die Entscheidungsträger dieses Einsatzes. Sehr wohl gab es Urteile gegen etliche Demonstranen - wegen Landfriedensbruch, Widerstand gegen die Staatsgewalt und anderen Delikten. Auch Hausdurchsuchungen bei  Parkschützern und Cams21 (die Videos von den Geschehnissen aufzeichnen und per Livestream zugänglich machen) haben stattgefunden.
Reine Einschüchterung! Umso erfreulicher, dass der Widerstand lebt.
Joe Bauer (Stuttgarter Nachrichten) hat in seiner Rede auf die Zusammenhänge hingewiesen. Es geht darum, dass die Bürger sich für ihre Stadt engagieren, zeigen dass die Stadt allen Bürgern gehört. Viele sind nicht gewillt zuzusehen, wie sich die Städte in Büro-, Banken- und Geschäftsmeilen verwandeln, in denen allenfalls für die Platz bleibt, die es sich noch leisten können. Hier auch die Parallelen zu den hier öfter auftauchenden Protesten im Schanzenviertel und St. Pauli in Hamburg. Es geht um die entscheidende Frage:

Wem gehört die Stadt?

Und um nichts anderes ging es auch beim Protest in Spanien: öffentliche Plätze zurück zu erobern und sie zu verwandeln in ein Forum, in dem diskutiert wird, wie eine lebenswerte Zukunft aussehen kann. Erfreulich, dass sich immer mehr Menschen für eine direkte Demokratie einsetzen und sich dem Diktat der Wirtschaft und des bisweilen unsinnigen Fortschritts entgegensetzen. Es geht um Lebensqualität!
In diesem Sinne bin ich gespannt, was in nächster Zeit in aller Welt passiert. Die Zeichen mehren sich, dass ein Wandel schon begonnen hat. Das macht optimistisch. Es braucht jeden Einzelnen!

In diesem Sinne: oben bleiben!

Links:

Parkschützer e.V.

Cams 21

bei Abriss Aufstand

Alternativmodell K21

Themenseite Spiegel online

Die brutale Räumung des Schlossgartens am 30.09. 2010 - Zusammenschnitt