Dienstag, 8. November 2011

Denkanstöße


Viel ist passiert seit dem letzten Eintrag. Diesmal möchte ich mich auf ein paar Anmerkungen und eine Reihe interessanter Links beschränken. Es kostet manchmal viel Kraft all diese Informationen zu bewerten und filtern, um sie Euch hier zur Verfügung zu stellen. Zumal der Occupy-Gedanke schließlich nur auf der Straße wirklich an Bedeutung gewinnt und es hier in Stuttgart aufgrund der (noch) sehr überschaubaren Bewegung viel Präsenz des Einzelnen erfordert. Ein Dank an dieser Stelle an Alle, die sich so sehr engagieren und sich von der Hemmschwelle nicht abschrecken lassen! Ich kann nur sagen, es lohnt sich in jedem Fall!

So möchte ich auch starten mit dem Verweis auf den Beitrag von fluegel-tv, der nun zur Verfügung steht. Es handelt sich um eine Interview-Dokumentation, die sehr gekonnt Stimmungen und Haltungen einzelner Beteiligter der Occupy-Bewegung und von Außenstehenden einfängt. Ein sehr gelungener Zusammenschnitt:

Flügel-TV: Occupy Frankfurt - eine Interview-Doku

Gerne verweisen möchte ich auch auf den Blog von einem Hamburger Pärchen, die sich auf eine Reise zu einzelnen Camps in Deutschland aufgemacht haben. Zwei sehr sympathische Menschen, die sehr unterschiedlich bewerten, was sie unterwegs erlebt haben. Wer sich also schlau machen möchte was in Berlin, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf oder in Hamburg in den Camps bzw. den einzelnen Bewegungen entsteht, sei auf ihren sehr spannenden Blog verwiesen:

Für eine bessere Welt

auch sie waren im Gespräch mit Flügel-TV. Der Beitrag und weitere Videos zum Thema "Occupy" finden sich hier.

In den USA hat die Occupy-Bewegung längst einen ganz anderen Stellenwert gewonnen. In hunderten von Städten gibt es bereits bemerkenswerte Bewegungen. Die Polizei dort hat versucht, mit dem Einsatz von Gummigeschossen, Tränengasbomben und anderen höchst fragwürdigen Mitteln versucht, Herr der Geschehnisse zu bleiben, damit jedoch den Protest noch weiter verstärkt.

Ob darin das Kalkül liegt, die Bewegung zu radikalisieren oder ob es sich stellenweise um Ratlosigkeit und Aktionismus der Einsatzkräfte handelt ist mir unklar. In jedem Fall ist es absolut verabscheuenswert, wenn - wie in Oakland geschehen - ein Polizist eine dieser Tränengasbomben in einer völlig übersichtlichen Situation in eine kleine Gruppe von Helfern wirft, die herbeigeeilt ist, um einen bereits am Kopf verletzten Demonstranten zu versorgen und aus der Gefahrenzone zu bringen. SHAME ON YOU!

In jedem Fall hat die Bewegung dort einen Punkt erreicht, an dem ich überzeugt bin, dass er sich langfristig festsetzen wird und das ist sehr erfreulich. Schließlich geht es immer noch viel um Symbolik und es muss erstmal gelingen, die Themen der Occupy-Bewegung im Bewusstsein der Menschen tief zu verankern.

Im übrigen gibt es Proteste auf allen Kontinenten, auch wenn die Mainstream-Medien nahezu gar nicht darüber berichten.

Hier in Deutschland geht es viel um Vereinnahmung der Bewegung. Ich denke jedoch, dass die Bewegung sich nicht unter Druck setzten soll, sondern sich die Zeit nehmen soll, die Basisdemokratie einfach benötigt, um zu konsensfähigen Forderungen zu gelangen. Schnellschüsse wären fatal. Doch natürlich müssen diese Forderungen kommen. In der Interview-Doku klingt es an: Wieso fordert man von einer Bewegung, die in Deutschland gerade seit drei Wochen öffentlich existiert, bereits Lösungen, die Politiker seit Jahren nicht finden? Das ist doch absurd. Die Bewegung gibt es doch genau deswegen - weil sich eben nichts ändert und die Finanzindustrie weiter ihr großes Rad dreht.
Definitiv gibt es viele Themen, die angegangen werden müssen und zu den es Forderungen bedarf:
Sozialsysteme, Datenschutz, Generationengerechtigkeit, Kartellbildung, Klimaschutz und viele mehr.

Noch ein paar Worte zu Griechenland. Dort geht es bei vielen Menschen ums letzte Hemd. Auch wenn man sicher nicht begeistert sein muss über die Art und Weise wie es zu dem Referendum gekommen war, so handelt es sich in meinen Augen um die absolut richtige Entscheidung. Endlich das Volk zu befragen über das politische Handeln. Mit Erschrecken habe ich die Folgen regisitriert. Der sicher zu Recht umstrittene Papandreou wird zum "Rapport" nach Cannes einbestellt, wo im die Pistole auf die Bruste gesetzt wird. Finanzielle Hilfen gibt es nur ohne Einbeziehung des Volkes. Das zeigt doch das ganze Dilemma: Demokratie bedroht die existierenden und beherrschenden Systeme. Das sagt doch fast Alles.

Ich hoffe sehr, dass diese aufkeimende, neue Basisdemokratie diese Systeme von Grund auf erneuert!
Denn sonst wird es irgendwann sehr hässlich enden.

Im Moment ist es wichtig, dass sich mehr Menschen in die Diskussion darüber einbringen, sich Informationen verschaffen und diese weiterleiten. An einer "Assamblea" teilzunehmen allein, ist ein großer Gewinn. Denn wer von uns hat schon wirklich Erfahrung gemacht mit direkter Demokratie?
In der jeder sich äußern darf und man nach und nach zu konsensfähigen Lösungen gelangt. Ohne Hierarchie und Wortführer.
Noch passiert alles im Kleinen, doch es entsteht gerade etwas Neues und es lohnt sich, sich einfach mal dazu zu gesellen und zu beobachten, wie man miteinander umgeht und was gelebte Solidarität wirklich bedeuten kann.

Da scheinbar viele oft noch ratlos sind, wo man zu wirklich wertvollen Informationen gelangen kann, zum Abschluss noch eine kleine Linkliste:


thebabyshambler

Jacob Jung Blog

Der Freitag

spiegel.de: S.P.O.N. - Die Kolumnisten


Außerdem gibt es auch im Blogroll in der echten Seitennavigation weitere Blogs...


Auch im Fernsehen gibt es nach wie vor spannende Formate:

ZAPP, Xtra3, Aspekte, Kulturzeit, vis-a-vis, Panorama und einige weitere Vertreter unverfälschten Journalismus...

Ein besonderes Kleinod: Retsina Film: Neues aus dem Schwarm
 

Mit großer Freude habe ich registriert, dass zunehmend Leser aus den USA, Russland, den Niederlanden, aus der Schweiz und Österreich, Frankreich, Lettland, aus Großbrittanien und Finnland Interesse am Scheinwerfer haben.

Herzlichen Dank für euer Interesse!

Kommentare:

  1. Manchmal denke ich die größte Gefahr ist das wir uns vor lauter Unterwanderungs- Angst verzetteln , zuviel Energie in diese Debatten stecken und uns lähmen lassen. Statt Zeit und Energie in das Finden der angesprochenen konsenfähigen Forderungen und der Entwicklung unseres eigenen basisdemokratischen Weges zu investieren..
    Grüßle
    Amalthea

    AntwortenLöschen
  2. Darauf zielen auch sicher viele ab, die nicht wollen, dass sich etwas grundlegend ändert, da sie von der Ungerechtigkeit profitieren.
    Aber nachdem es auch schon lange keine Jugend mehr gab, die an den bestehenden Verhältnissen kratzen, braucht es Zeit bis sich die verschiedenen Subkulturen zusammen finden.
    Basisdemokratie ist sehr anstrengend, aber es lohnt sich zweifellos!

    AntwortenLöschen